Pilger in Medjugorje - Pastorale Akzente

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Versammlungsorte

Drei punkte sind bevorzugte Versammlungsorte der Pilger in Medjugorje :

a) Erscheinungsberg, b) Krizevac, c) Pfarrkirche.

a) Erscheinungsberg

So wird jetzt der Ort über dem Ortsteil Podbrdo in Bijakovici genannt, wo die Seher in den ersten Erscheinungstagen die Mutter Gottes (Gospa) gesehen haben.

Es war Ende Juni 1981. Seitdem kommen da die Pilger zusammen, um den Rosenkranz zu beten. Tag und Nacht kann man den Pilgergruppen begegnen, die zum Erscheinungsort klettern. Die Stelle selbst ist lediglich durch einen Steinhaufen gekennzeichnet, mit einem einfachen Kreuz.

Entlang des Pfades, der zum Berg führt, stehen seit 1989 Reliefs mit Darstellungen der Freuden - und Schmerzenreichen Geheimnisse des Rosenkranzes. Ein Werk des akademischen Bildhauers Carmelo Puzzolo aus Florenz.

b) Krizevac

Ist ein Berg oberhalb Medjugorje. Die Einwohner von Medjugorje errichteten im Jahre 1934 dort ein 8 m hohes Betonkreuz als Andenken an 1900 Jahre nach Jesu Erlösertod. Die Pilgergruppen und Einzelne beten da die Kreuzwegandacht, gehend von Station zu Station. In den ersten Jahren wurden die Stationen mit Holzkreuzen gezeichnet. Im Jahre 1988 wurden Bronzereliefs von Carmelo Puzzolo aufgestellt. Der Krizevac hat sich zum bevorzugten Ort der Verehrung des Leidens Christi entwickelt und ist zum Kalvarienberg des Wallfahrtsortes Medjugorje geworden.

c) Die Pfarrkirche mit anliegenden Räumlichkeiten ist der Ort der Eucharistiefeier und des Sakramentalen Lebens. Die alte Pfarrkirche, Ende des 19. Jhdts. gebaut, wurde durch ein Erdbeben zerstört, die neue ist im Jahre 1969 eingeweiht. Die Kirche und die Pfarrei haben als Patron den hl. Apostel Jakobus, der als Patron der Pilger verehrt wird. An der Kirche sind 1991 ein Außenaltar und 20 Beichtstühle errichtet worden, sowie eine Kapelle zur Eucharistischen Anbetung.

Versammlungszeiten

Man kann von a) täglichen, b) wöchentlichen und c) jährlichen Versammlungszeiten der Pilger sprechen.

 

a) Die Medjugorje-Pilger versammeln sich täglich zu nationalen Eucharistiefeiern:

* kroatisch 07.30 Uhr werktags, 08.00 und 10.00 Uhr sonntags

* Ostländer 08.00 Uhr 07.00 Uhr

* Deutsch 09.00 Uhr 09.00 Uhr

* Englisch 10.00 Uhr 12.30 Uhr

* Italienisch 11.00 Uhr 10.00 Uhr

* Französisch 12.00 Uhr 13.30 Uhr

Andere Sprachgruppen feiern die Eucharistie nach Vereinbarung in der Sakramentskapelle.

Zum gemeinsamen Gebet versammeln sich alle Pilger in der Winterzeit um 17.00 Uhr (Sommerzeit 18.00 Uhr). Das Abendprogramm beginnt mit dem Freudenreichen und Schmerzhaften Rosenkranz als Vorbereitung auf die Eucharistiefeier um 18.00 (19.00) Uhr. Danach folgt das Dank - und Heilungsgebet mit dem Glorreichen Rosenkranz 20.00 ( 21.00 ) Uhr.


b) Wöchentliche Versammlungszeiten

* Rosenkranzgebet am Erscheinungsberg sonntags um 14.00 (16.00) Uhr.

* Kreuzwegandacht am Krizevac freitags um 14.00 (16.00) Uhr.

* Eucharistische Anbetung in der Kirche mittwochs und samstags um 21.00 (22.00) Uhr.

* Eucharistische Anbetung im Anschluss an die Abendmesse donnerstags.

* Kreuzanbetung freitags - im Anschluss an die Abendmesse.


c) Jährlich versammeln sich die Pilger in großer Zahl :

* Zu größeren Marienfesten: Maria Verkündigung, Maria Himmelfahrt, Maria Geburt.

* Zu größeren Herrenfesttagen: Weihnachten, Neujahr, Ostern, Pfingsten.

* im Monat Mai und Oktober

* Die größten Versammlungen finden zum Jahrtag der Erscheinung (25. Juni) und Kreuzerhöhung - 1. Sonntag nach Maria Geburt - statt.

Als außerordentliche Versammlungen können bezeichnet werden:

* alternative Neujahrsfeier mit Jugendlichen

* internationaler Friedensmarsch von Humac nach Medjugorje am 24. Juni

* internationales Gebetstreffen der Jugendlichen vom 30.07. bis 06.08.

Inhalt der Versammlungen

In Medjugorje geschieht nichts auffallend Außerordentliches. Alles verläuft wie an anderen Wallfahrtsorten. Man feiert Eucharistie (a), die Pilger beichten (b), der Rosenkranz (c) und die Kreuzwegandacht (d) werden gebetet und Kranken gesegnet (e). Verschieden ist aber die Art und Weise der Feier, die Akzente und die Atmosphäre, und gerade das trägt am meisten zur religiösen Stimmung der Pilger bei. Nicht also der äußere Ablauf der Feier, sondern die innere Tiefe, die sie beseelt.

a) In der Mitte der täglichen Versammlung der Medjugorje-Pilger steht die abendliche Eucharistiefeier. Sie wird durch das gemeinsame Rosenkranzgebet eingeleitet und beendet. Die Messe wird gefeiert nach dem Liturgischen Kalender und dem Römischen Messbuch. Das Tagesevangelium wird in den Sprachen der beteiligten Pilger verkündet. Die Ansprache als Aktualisierung der eben verkündeten Botschaft wird auf kroatisch gehalten, manchmal mit einer Zusammenfassung in der einen oder anderen Weltsprache. Ein Teil des Hochgebetes wird in Latein gesprochen. Der Gregorianische Choral wird öfters gesungen. Die Kommunion wird je nach Wunsch als Mund - oder Handkommunion gereicht.

Im Anschluss an die Messe wird das Glaubensbekenntnis mit sieben Vater unser, Ave Maria und Gloria Patri kniend gebetet. Es folgen die Segnung der religiösen Gegenstände, die Krankensegnung und der Glorreiche Rosenkranz.

Die einzelnen Sprachgruppen feiern die Eucharistie vormittags mit Gesang und Homilie in eigener Sprache.

Von Jahr zu Jahr entwickelt sich in Medjugorje immer mehr die Eucharistische Anbetung. Die gemeinsame Anbetung findet jeden Donnerstag im Anschluss an die Abendmesse und mittwochs und samstags als eigenständiger Versammlungspunkt statt. In der Sakramentskapelle beten die Pilger in Stille vor dem Allerheiligsten, das von 13.00 bis 17.00 (18.00) Uhr ausgesetzt wird.

b) Durch das Bußsakrament ist Medjugorje in der ganzen Welt bekannt geworden.

Aus den entferntesten Ländern kommen die Menschen nach Medjugorje, um im Bußsakrament mit sich selbst, mit Gott und mit den Menschen Versöhnung zu finden. Da finden sie auch eine Anzahl von Priestern, die bereit sind, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, ihre Probleme wahrzunehmen und ihnen die Schatzkammer der göttlichen Barmherzigkeit zu öffnen. Viele nennen Medjugorje mit Recht den "Beichtstuhl der Welt". Selbst die Atmosphäre von Medjugorje hilft vielen, in sakramentaler Begegnung Umkehr zu erleben und in ihrem Glaubensleben eine echte Wende zu finden. Dabei ist auch die gemeinsame Vorbereitung von Nutzen, die in einer Form des Bußgottesdienstes geschieht, und ganz besonders ein offenes persönliches Gespräch mit dem Priester.

c) Der Rosenkranz ist eines der beliebtesten Gebete der Medjugorje-Pilger.

Im gemeinsamen Abendprogramm werden alle drei Rosenkränze mit einer kurzen Einführung in jedes Geheimnis, möglichst in mehreren Sprachen, gebetet. Das Gebet wird öfters durch Singen einfacher Marienlieder unterbrochen.

Der Rosenkranz als eigenständige Form der Pilgerfrömmigkeit wird gemeinsam jeden Sonntag am Erscheinungsberg gebetet. Die Pilgergruppen beten oft jede für sich den Rosenkranz. Zu jeder Tageszeit kann man um die Kirche herum, an den Straßen oder auf den Bergen größeren oder kleineren Pilgergruppen begegnen, die laut oder still den Rosenkranz beten.

d) Die Kreuzwegandacht gehört auch zum Gebetsrepertoire der Medjugorje-Pilger.

Wer auf den steilen Kreuzberg nur klettern kann, betet sie haltmachend vor den Stationen. Wer den Krizevac nicht besteigen kann, hat in der Kirche Gelegenheit, sich in das Geheimnis des Leidens Christi zu vertiefen, indem er die Holzschnitte des berühmten italienischen Bildhauers Peppino Sacchi betrachtet. Mit dem Betrachten des Leidens Jesu verbindet der Pilger auch sowohl eigene Leiden und die Leiden all derer, mit denen er lebensverbunden ist, als auch derer, die ihm, oder denen er zum Kreuz geworden ist.

Als eigenständige Form der gemeinsamen Pilgerfrömmigkeit wird die Kreuzwegandacht jeden Freitag um 14.00 (16.00) Uhr am Krizevac, sowie freitags und sonntags während der Fastenzeit in der Pfarrkirche gebetet.

e) Das Heilungsgebet für die Kranken ist in das Abendprogramm miteingenommen als

Dankgebet nach der Eucharistiefeier. Offiziell heißt es "Heilungsgebet für Leib und Seele". Der Mensch, und ganz besonders der pilgernde Mensch, sehnt sich nach der Heilung im vollen Sinne des Wortes, das im Lateinischen mit dem Wort "salus" ausgedrückt wird und das die körperliche Gesundheit und das Heil der Seele mitbeinhaltet.

Die Entstehungsgeschichte der Pilgerversammlungen in Medjugorje

Alles hat Ende Juni 1981 begonnen, als die 6 Jugendlichen begannen zu behaupten, ihnen erscheine die Gottesmutter. Sie stelle sich vor als Königin des Friedens und lade die Welt zu Frieden und Versöhnung ein. "Friede, Friede, Friede... , Friede mit Gott und Friede unter den Menschen." "Damit wurde Medjugorje nicht nur in der ganzen Welt bekannt, sondern auch zu einer Quelle ungewöhnlicher Gnadengaben und zum Treffpunkt von Millionen von Pilgern aus allen Völkern und Rassen: Männern, Frauen, Kinder, Armen and Reichen, Kranken und Gesunden, Unbekehrten und Demütigen, Sündern und Heiligen. Der Pilgerstrom hält ungebrochen an und wächst Tag für Tag; das Interesse wird tiefer, die Reaktionen werden intensiver, spiritueller und zahlreicher." (Rupcic "Medjugorje in der Heilsgeschichte", Miriam - Verlag 1989, Seite 7).

In den späteren Erscheinungen hat die Gospa unermüdlich zur Umkehr aufgerufen, d.h. zur Änderung der Beziehungen zu Gott durch verstärktes Herzensgebet, Änderung der Beziehungen zu sich selbst durch Fasten, das von aller Art Abhängigkeiten befreit und Änderung der Beziehungen zu Mitmenschen durch Vergebung, Versöhnung und tätige Liebe.

Wir klammern hier aus die Frage um die Übernatürlichkeit der Erscheinungen und der Botschaften der Mutter Gottes von Medjugorje. Die Tatsache aber, dass die Feier der Heilsgeheimnisse in der Form, in der sie derzeit in Medjugorje begangen wird, sich aufgrund der Botschaften allmählich entwickelt hat, kann nicht übergangen werden. In ihren Botschaften verlangt die Gospa ganz konkret die Teilnahme an der Eucharistiefeier, die zur Mitte des christlichen Lebens eines Einzelnen und jeder christlichen Gemeinde werden soll.

Der Wunsch der Gospa ist, dass "eure Messe ein Gotteserlebnis wird". (16.5.85) "Ich möchte euch zum Miterleben der hl. Messe einladen". (3.4.86) "Die hl. Messe soll euch das Leben sein". (25.4.88) Die Gospa ruft zur Anbetung Jesu im heiligsten Altarsakrament: "Betet ohne Unterlass das Allerheiligste Sakrament des Altares an! Ich bin immer anwesend, wenn die Gläubigen das Allerheiligste anbeten. Dabei werden besondere Gnaden erteilt". (15.3.84) "Heute lade ich euch ein, euch in das Allerheiligste Sakrament des Altares zu verlieben. Betet ihn, meine lieben Kinder, in euren Pfarreien an, und so werdet ihr mit der ganzen Welt verbunden sein ... Wenn ihr Jesus anbetet, seid ihr auch mir nahe." (25.9.95) Am Vorabend von Maria Himmelfahrt 1984 gab die Gospa eine Botschaft an Ivan Dragicevic: "Es ist mein Wunsch, dass die Welt in diesen Tagen mit mir betet. Und zwar möglichst viel. Dass mittwochs und freitags gefastet wird. Dass jeden Tag mindestens der Rosenkranz gebetet wird :die freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse." (Zit. in S. Barbaric, Molite srcem, Medjugorje 1994, S. 41) "Betet jeden Abend den Rosenkranz." (8.10.84) "Ich bitte euch : ladet alle zum Rosenkranzgebet ein! Mit dem Rosenkranz werdet ihr alles Unheil überwinden, das der Satan jetzt in die kath. Kirche hineinbringen möchte. Priester, betet alle den Rosenkranz! Weiht eure Zeit dem Rosenkranzgebet!" (25.6.85) "Liebe Kinder! Heute - wie nie zuvor - lade ich euch zum Gebet ein. Euer Gebet sei ein Gebet für den Frieden. Satan ist stark und möchte nicht nur das menschliche Leben sondern auch die Natur und den Planeten, auf dem ihr lebt, zerstören ... Greift nach dem Rosenkranz, schon allein der Rosenkranz kann in der Welt und in eurem Leben Wunder wirken." (25.1.91)

Die Gospa hat das Gebet vor dem Kreuz besonders empfohlen (30.8.84).

"Betet besonders vor dem Kreuz, denn von ihm kommen große Gnaden". (12.9.85)

"Betrachtet das Leiden Jesu und vereinigt euch in eurem Leben mit Jesus". (20.2.86)

Theologische Analyse der Kultversammlungen

In Medjugorje kommt im Heiligen Geist das pilgernde Volk Gottes aus allen Stämmen und Sprachen zusammen. Im täglichen Abendgottesdienst wird die Katholizität der einen, heiligen und apostolischen Kirche greifbar erlebt. Wo der "welcher zu Rom wohnt", weiß, dass die Inder seine Glieder sind. (Vgl. LG 13. Johannes Chrys., Homilie im Johannesevangelium, 65,1: PG 59.361).

Da "schreitet die pilgernde Kirche zwischen den Verfolgungen der Welt und der Tröstungen Gottes, auf ihrem Pilgerweg dahin und verkündet das Kreuz und den Tod des Herrn, bis er wiederkommt." (LG 8)

Die Feier der Heilsgeheimnisse steht in der Mitte der Kultversammlungen in Medjugorje. Alle Frömmigkeitsübungen sind auf die Eucharistiefeier hin ausgerichtet und werden in der eucharistischen Anbetung weitergeführt. Durch das Sakrament der Versöhnung tritt der Einzelne in das Geheimnis der Versöhnung und die Kirche befreit sich immer mehr zur Feier im Geist und der Wahrheit.

Maria ist in Medjugorje mit dem Kind Jesu in ihren Armen erschienen und hat ihn als Geschenk den Menschen angeboten. Der Gottessohn hat vom Leib Mariens seinen Leib genommen und ist in ihrem Schoß Mensch geworden. "Maria hat sein kleines winziges Leibchen mit ihrem Blut ernährt, mit der Wärme ihres unschuldigen Leibes gewärmt, sie war das erste Ziborium und das echte Heiligtum unseres Eucharistischen Jesus. Sie war der erste Altar und die erste Kirche Jesu auf der Welt." (T. Sagi-Bunic, Majka presvete Euharistije - Die Mutter der allerheiligsten Eucharistie -, in: Kana 6 / 1987 / 12 ). Maria ist in die Eucharistiefeier in Medjugorje so eingebettet als die, die zur Feier einlädt, sie vorbereitet und begleitet (Rosenkranzgebet vor und nach der Messe; deutet vom Erscheinungsberg auf Krizevac und Kirche ; führt die Pilger zur Gnadenquelle.)

"Die Eucharistie ist der wahre Angelpunkt, um den herum sich die neue Welt dreht, die Quelle, aus der der Friede fließt. Ohne die Gospa kann man sie sich nicht denken; aber auch die Gospa ist ohne die Zubereitung des eucharistischen Mahls, durch das die Menschen zu ihren Kindern und zu "Miterben Christi" (Röm 8, 17) werden, undenkbar. Daher ist es verständlich, daß die Gospa in Medjugorje die Menschen unermüdlich zur Eucharistiefeier einlädt." (Rupcic, S. 134) Maria als Mutter des Herrn verehrend, öffnen sich die Pilger dem Heilsgeheimnis und empfangen die Gnaden der Erlösung desto mehr, je mehr sie sich in das Heilsgeheimnis eingliedern. So wächst die Kirche im Hl. Geist.

In seinem Apostolischen Schreiben "TERTIO MILLENNIO ADVENIENTE" bezeichnet Papst Johannes Paul II. das II. Vat. Konzil als ein "Ereignis der Vorsehung", das sich auf das Geheimnis Christi und seiner Kirche konzentriert und zugleich offen ist für die Welt (18). Besonders betont er, dass die heutige Welt mehr denn je "der Läuterung und der Umkehr bedarf". (18) Das Konzil, so der Papst, hat "mit neuer Kraft" die heutigen Menschen auf Christus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, den Erlöser des Menschen, den Herrn der Geschichte, hingewiesen. (19) Eine enorme Fülle von Inhalten und ein neuer, bis dahin nicht gekannter Ton bei der Vorlage dieser Inhalte auf dem Konzil, stellen gleichsam eine Ankündigung neuer Zeiten dar. Die Konzilsväter haben in der Sprache des Evangeliums, der Bergpredigt und der Seligpreisungen gesprochen. (20)

Viele Bischöfe und Theologen sehen im Geschehen von Medjugorje die Verwirklichung des providentiellen Ereignisses des Konzils, den neuen Ton und die Ankündigung einer neuen Zeit in aller Einfachheit der Evangelischen Botschaft.

Pastorale Bewertung

Einer der bekanntesten Pastoraltheologen der Gegenwart, der Wiener Professor Paul M. Zulehner, hat im Sommer 1986 das Phänomen Medjugorje erforscht. Seine Forschungsergebnisse hat er in einem Vortrag unter dem Titel "Medjugorje - eine mystagogische Lektion" veröffentlicht. (Medjugorje - eine mystagogische Herausforderung? - Hrsg. Medjugorje - Zentrum (ohne J.) S. 72 - 100) Er betont, dass "Marianische Erscheinungen überhaupt für unsere Zeit wichtig sind" (79).

Von den Botschaften behauptet er, sie seien "eine sehr gute Katechese und exzellente Wegweisungen hinein in die biblische Botschaft." (82)

Und gerade das ist für ihn "eines der wichtigen theologischen Kriterien, dass Medjugorje nicht von der Bibel wegführt, sondern zu ihr hinführt, dass sozusagen Maria nicht die Endstation, sondern wie ein Wegweiser ist." (82)

Der Seelsorge in Medjugorje macht er ein hohes Kompliment. "Was dort an Seelsorge begegnet, wie gepredigt wird, mit welcher Sensibilität Eucharistie gefeiert wird mit den Menschen, kann ich mit meinem pastoral - theologischen Sachverstand und Miterleben nur so kommentieren, es ist richtig und gut, dass Menschen, die dort hinkommen, wirklich zum Zentrum des Glaubens vorgelangen.

Dass es das Bemühen der Seelsorger ist, dass die Menschen das Wort Gottes leben und Eucharistie feiern. Wertvoll ist auch der Verbund dieser Seelsorge mit dem Konzil, und es gibt keine Botschaft gegen das Konzil, auch wenn das manche gern hätten." ( 82 ) Von Medjugorje aus bringen die Pilger eine sehr tiefe biblische und eucharistische Frömmigkeit in ihre Ortskirche mit. "Das zählt auch zu meinen großen positiven bewundernswerten Aspekten, dass die Seelsorger dort bemüht sind, die Leute nicht aus der Normalkirche herauszuführen, sondern gerade für die Ortsgemeinde, für das, was das Alltagsleben der Kirche am Ort ist, sich einzusetzen, damit nicht etwas Sektiererisches, Esoterisches daraus inmitten der Kirche entsteht, sondern die Menschen ein Moment der lebendigen Kirche an Ort und Stelle werden." (82/83) Professor Zulehner findet wunderschön, dass sich in Medjugorje ein Kleine - Leute - Kirche sammelt. "Da kann jeder hingehen, da gibt es keine Hürden, über die man springen muss. Da ist ein offener Ort für Jedermann, für Jedefrau. Auch die Leute, die ich nicht zu den religiösen Virtuosen zähle, die einfachen Fußgänger der Kirche, die haben es dort gut. Und ich freue mich eben, wenn die kleinen Leute dorthin kommen, dass sie dort aufgerichtet werden, dass sie Hoffnung schöpfen können, dass sie erhobenen Hauptes nach Hause gehen können, dass sie mutiger werden ... Dieses geistvolle Geschehen am Menschen ist sehr wichtig. Es ist ja Gottes Absicht, den Menschen aufzurichten." (87 und 88)

Im Geschehen von Medjugorje entdeckt Zulehner die "Mystagogie", die Hinführung des Menschen vor das Geheimnis selbst, wo Gott von innen her die Ohren des Herzens öffnet, wie bei Lydia in der Apostelgeschichte. (Vgl 16,14) Da geht Gott unserem kirchlichen Tun mit seiner Gnade immer voraus. Das eigentliche Ziel aller Seelsorge ist, nach Zulehner, dem Menschen helfen, das Geheimnis seines eigenen Lebens zu entdecken im Laufe seines Lebens und sich diesem Geheimnis Gottes dann in freier Liebe zu übereignen. "Ich fürchte fast, - das ist eine der ganz problematischen Überlegungen, die ich in der gegenwärtigen Kirche beobachte, dass wir überhaupt die mystische Dimension des Glaubens verloren haben. Was uns dann droht, ist die Reduzierung des Evangeliums zur Moral. Das bleibt nämlich übrig, wenn die Mystik wegfällt. Es wäre schade, wenn im Umkreis von Medjugorje bei den Leuten zum Schluss nur noch moralische Botschaften ankommen. Das ist nicht die Absicht. Der Sinn der Botschaften wird in der Erneuerung der Mystik zu suchen sein, der erfahrbaren Gemeinschaft des Menschen mit Gott. Das ist ein Ereignis, das jedem Handeln und jeder Moral voraus und zu Grunde liegt. Ohne dieses mystische Fundament kann keiner von uns moralisch handeln." (97)

Theologen und Männer der Kirche sind geneigt, das Geheimnis zu erklären. "Ich habe in meiner Theologie gelernt: Die Geheimnisse des Glaubens gibt es nicht dazu, dass wir sie erklären, sondern dass wir sie bewohnen, dass wir im Geheimnis daheim sind ... Die Kirche wird gerettet, wenn wir das Geheimnis wieder bewohnen lernen, persönlichst, ganz entschieden und entschlossen." (99) Nach Zulehner wäre also Medjugorje "eine Mystagogie, eine Einführung für normale Leute in das normale alltägliche Geheimnis des Evangeliums." (100)

Alfons Sarrach sagt dazu: Die Kirche ist in Medjugorje sich bewusst geworden, dass sie keine Organisation ist, dass sie sich nicht machen lässt oder gestalten, dass sie nicht konstruiert werden kann, dass ihre Gründung von keinem Notar beurkundet wurde. In der Kraft des Hl. Geistes, im Sturmbrausen des Pfingsttages hat sie das Licht der Welt erblickt als reines Geschenk von oben. (Vgl. Alfons Sarrach, Botschaft Medjugorjes vom dienenden Gott, Miriam - Verlag 1993, S. 103/104)

Bedeutung für die Evangelisation

Das tiefste Erlebnis der Medjugorje-Pilger ist sicher die Feier des Heilsgeheimnisses. Das ist der Hauptinhalt ihres Aufenthalts am Wallfahrtsort. Die Begegnung mit dem Geheimnis des Glaubens, die sie in Medjugorje erfahren haben, nehmen sie ins alltägliche Leben mit, mehr oder weniger überzeugt, dass der Glaube im grauen Alltag gelebt werden muss.

Die Hauptrichtlinien bekommen sie in den Homilien der Eucharistiefeier, in den Botschaften der Gottesmutter, denen sie begegnet sind und den Frömmigkeitsübungen, von denen sie begeistert wurden.

In Medjugorje wird das Evangelium ganz einfach, nach der Reihenfolge des Lit. Kalenders verkündet. Es wird immer versucht, den Weg für seine Verwirklichung im Leben des heutigen Menschen anzudeuten. Der Hauptakzent liegt an der Umkehr als dem Weg zum Frieden, an Gebet, Fasten und Vergebung und täglicher Nächstenliebe. Diese und alle anderen Botschaften der Gospa gründen in der einen, die geschrieben steht im Joh. Evangelium: "Was er euch sagt, das tut" (2,5).

Die Botschaften sind die Einladungen der Mutter und ihre Bitten. Sie respektieren die Freiheit jedes Einzelnen und versuchen, ihn zum Guten zu motivieren. Sie haben zum Ziel, jeden Einzelnen zur persönlichen Umkehr zu bewegen; andere Wirkungen können folgen.

Sowohl die Predigten als auch die Botschaften, ihrer Gestalt und ihrem Inhalt nach, spiegeln die Einfachheit aller Formen des religiösen Erlebnisses in Medjugorje wider.

Medjugorje ist von vielen Menschen aus der ganzen Welt als religiöses Phänomen sehr schnell akzeptiert worden und hat sich in eine religiöse Bewegung von breitem Ausmaß entwickelt, sehr wahrscheinlich u. a. auch wegen der Einfachheit der Botschaft.

Wenn die Medjugorje-Pilger zurück nach Hause in die Gemeinschaften kommen, bleiben sie nicht passiv. Sie versuchen zuerst durch ihr persönliches Leben das Evangelium und die Botschaften selbst zu leben und aktiver mitzuwirken im Leben der Ortskirche. So entstehen die Gebetsgruppen, die im Geist der Botschaften und der Option Mariens für die Armen leben. Die Einladung Mariens ergeht an alle, dass sie sich, vom Ruf Gottes zur Freiheit geleitet, nach Beispiel Abrahams ins Unbekannte begeben, in die noch unerforschten Gebiete des Glaubens.

Es ist schwer abzuschätzen, wie sich die Erscheinungen der Mutter Gottes in der heutigen Welt auswirken. Eins ist aber sicher: Was die Hirten der Kirche oft nicht einmal laut auszusprechen wagen, wirkt der Hl. Geist durch Marienerscheinungen und ihre Botschaften. Die Welt der Kleinen versteht und akzeptiert die Sprache Mariens. Der biblische Glaube und die biblischen Erfahrungen werden erneut gegenwärtig und lebendig. Gott erneuert die Kirche und die Welt durch Maria.

Schlußfolgerung

In Medjugorje kommt die pilgernde Kirche - eine heilige katholische und apostolische Kirche - aus allen Völkern und Sprachen zusammen, um das Heilsgeheimnis im Hl. Geist zu feiern. Die Feier des Heilsgeheimnisses steht im Mittelpunkt aller Versammlungen. Maria, die Mutter des Herrn, lädt alle zur Feier ein. Sie ist in der Feier selbst anwesend als die sorgende Mutter und erfahrene Pädagogin.

Zart lädt sie ein und bedankt sich höflich. ("Liebe Kinder, Kindlein, ich lade euch ein ... Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid") Sie fordert aber gleichzeitig auf: betet, fastet, versöhnt euch! Schafft den Frieden, feiert die Eucharistie, lest in der Bibel, lebt das Evangelium. Allein seid ihr nicht. Alles ist euch möglich durch den, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. Die Mutter des Lichtes bietet uns an: ihren Sohn, die Sonne der Gerechtigkeit, das Licht, das jeden Menschen erleuchtet und ihn fähig macht, zum Licht der Welt zu werden.

 


Damit Gott in euren Herzen leben kann, müßt ihr lieben.