Interview: Msgr. Leo Maasburg, Nationaldirektor von MISSIO Österreich

Maria tut nichts besonderes, sie ist besonders

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Msgr. Leo Maasburg, Nationaldirektor von MISSIO Österreich, war im April 2009 in Medjugorje. Viele Jahre hat er Mutter Teresa auf ihren Reisen und bei der Eröffnung neuer Häuser auf verschiedenen Kontinenten begleitet. Für ihre Schwestern hat er in der ganzen Welt Exerzitien gehalten. Als Mutter Teresa im Jahre 1988 die ersten Häuser in Moskau und in Armenien geöffnet hat, war Pater Leo monatelang ihr geistlicher Begleiter, und somit der erste „offizielle“ katholische Priester in der damaligen Sowjetunion. Danach hat er, zusammen mit einem großen italienischen Geschäftsmann, die größte katholische Radiofamilie „Radio Maria“ gegründet, die heute auf allen Kontinenten anwesend ist.

Im Rahmen des Seligsprechungsprozesses von Mutter Teresa war er das einzige Mitglied des Teams, das nicht der Gemeinschaft von Mutter Teresa angehörte.

Sie haben Mutter Teresa gekannt und haben sie auf ihren Reisen begleitet. Was für eine Beziehung haben Sie mit ihr gehabt?

Mutter Teresa war sehr geduldig. Ich sehe jetzt, nach vielen Jahren, wie sehr sie mein Leben geprägt hat. Nach meinem Leben und dem Priestertum, war sie sicherlich die drittgrößte Gnade in meinem Leben.

Noch zu ihrer Lebzeit hat man sie heilig genannt. War ihr Weg zur Heiligkeit schwer?

Ich glaube - sehr schwer. Ich glaube nicht, dass sie einen normalen Weg zur Heiligkeit gegangen ist, sondern sie ist, glaube ich, eine Jahrtausendheilige. Ich glaube auch, dass wir die Tiefe ihrer Heiligkeit und die Größe der Gnade, die uns Gott durch sie geschenkt hat, noch gar nicht ausgelotet haben. Es war allen vollkommen unbekannt, mit welcher enormen Nähe sie durch ihre Nacht der Seele bei Christus war. Oberflächliche Betrachter haben das als eine Art von Atheismus betrachtet. Aber Gott verbirgt seine ganz großen Gnaden für die Augen der Welt. Die zweite große Gnade, die auch vollkommen unbekannt ist, ist dass sie über 5000 Seiten theologischer Schriften gelassen hat, die praktisch für die breite Öffentlichkeit noch unbekannt sind. Ein dritter Punkt, der ganz unbekannt ist für die Öffentlichkeit, ist ihr unbeschreiblicher Humor in aller Tiefe des Leidens. Sie war wirklich eine Kontemplative in der Welt und hat durch alle Schwierigkeiten hindurch immer die Freude, und eigentlich den Witz Gottes, gesehen.

Sie haben am Seligsprechungsprozess von Mutter Teresa mitgearbeitet, der Dank dem Papst ungewöhnlich schnell gegangen ist. Was können Sie uns darüber sagen?

Dank Johannes Paul II und Dank der modernen Computer! 80.000 Seiten in einer geordneten Form zu erfassen ist ohne Computer eine Aufgabe von 50 Jahren. Nicht nur insofern ist Mutter Teresa eine sehr moderne Heilige. Ich glaube, dass wir die erste große Etappe sehr schnell erledigt haben, weil es relativ einfach war, die tiefe Heiligkeit von Mutter Teresa zu sehen. Ich glaube, dass der zweite Schritt, die Heiligsprechung, auch nur ein Formalschritt ist, den aber sicherlich Gott uns zu einem ganz richtigen Punkt schenken wird. Nächstes Jahr am 26. August feiern wir den 100. Geburtstag von Mutter Teresa. Es wäre ohne weiteres möglich, dass die Heiligsprechung damit zusammenfällt. Das hängt formal von zwei Dingen ab: erstens, dass eines der vielen Wunder, die schon geschehen sind, offiziell anerkannt wird, und dass der Heilige Vater in seiner Hirtenverantwortung den richtigen Zeitpunkt wählt.

Sie waren geistlicher Begleiter der Schwestern von Mutter Teresa in Moskau und in Armenien, und damit der erste katholische Priester, der offiziell in die Sowjetunion zugelassen wurde. Was für Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Der erste Eindruck ist, dass nicht wir, nicht Mutter Teresa, die Hirtensorge für den ganzen kommunistischen Bereich getragen haben, sondern letztlich die Mutter Gottes. Russland war immer das Land der Mutter Gottes, und die Mutter Gottes hat ihre Hirtenverantwortung nie abgegeben. Sie hat schon durch die Kinder von Fatima das große Unglück vorhergesagt, dass Russland treffen wird, aber sie hat uns auch gleichzeitig das Remedium zur Verfügung gestellt: die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens. Diese Weihe ist von Pius XII, und später von Johannes Paul II ganz formal vollzogen worden. Sechs Jahre nach dieser Weihe ist das Sowjetsystem zusammengebrochen. Übrig bleibt, wie bei einer vergebenen Sünde, ein großer Schaden. Und es ist sicherlich ein Teil unserer Aufgabe, durch Gebet und Opfer, und auch durch konkrete Schritte, diese Heilung weiterzuführen. Es freut mich tief im Herzen wenn ich sehe, wie z.B. bei den Augusttreffen, so viele Menschen aus dem ehemaligen Ostblock kommen. Es ist ganz undenkbar, dass sie zum Herzen der Mutter kommen, ohne geheilt wieder wegzugehen.

In der ganzen Welt ist die große Radio Maria Familie bekannt, in deren Entstehung auch Sie teilgenommen haben. Wie ist es dazu gekommen?

Genauso wie die Muttergottes selbst die Größe ihrer Berufung im Moment der Berufung wahrscheinlich gar nicht voll erfasst hat, so geht es jedem, der von ihr zu irgendeiner Tätigkeit berufen wird. Ich hätte mir nie gedacht wie schnell, wie geführt, wie rasant diese Entwicklung vor sich geht. In sieben Jahren ist Radio Maria in 31 Ländern entstanden, bis heute sind es über 60. Es scheint, dass es die Muttergottes sehr eilig hat. Und es gibt verschiedene Zeichen in und außerhalb der Kirche, dass diese Eile guten Grund hat.

Inwiefern kann die Kirche heute durch die Medien evangelisieren?

Ich glaube, die Evangelisation geht immer durch die Wortverkündigung. In Japan gab es vor 10 Jahren ungefähr 350.000 Katholiken, die in einer Pfarre erfasst waren. Bei Umfragen haben sich über 600.000 als katholisch bezeichnet. Auf die Frage, wo sie die Kirche kennengelernt haben, war die Antwort: durch Fernsehen und Radio. Das heißt, dass Radio und Fernsehen sicherlich eine Vor-Evangelisation sind, die Menschen für die Wahrheit Gottes öffnen kann. Es braucht dann sicherlich den persönlichen Kontakt der Hirten zu den einzelnen Seelen.

Wie sehen Sie die Jugendlichen heute, wie kann man sie zur Kirche anziehen?

Ich sehe jetzt in erster Linie die Jugendlichen in Österreich. Und da geschehen zwei Dinge. Das eine ist - sie sind wirklich arm. Auch in dem Sinne, wie Mutter Teresa die Armut verstanden hat. Sie hat physische Armut, soziale Armut und spirituelle Armut unterschieden. Diese armen Jugendlichen sind in einer spirituellen Armut, die himmelschreiend ist. Ihnen ist Christus nie verkündet oder gezeigt worden. Und gleichzeitig geschieht dort ein Wunder, dass sich kleine Gruppen, Gemeinschaften, Gebetsgruppen bilden, und dass Jugendliche für diese Gruppen eine ganz große Offenheit haben. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus, wie offen sie sind und was für eine Sehnsucht sie nach der Wahrheit haben. In einer Zeit, in der uns praktisch immer wieder gesagt wird: es gibt keine Wahrheit, sondern alles ist relativ, suchen die Jugendlichen - aus einer inneren Berufung heraus - nach der einzig stabilen Wahrheit, die wir in Christus finden.

Dies ist nicht Ihre erste Pilgerfahrt nach Medjugorje. Was sind Ihre Erfahrungen, spüren Sie hier die Anwesenheit der Muttergottes?

Ich habe mich am meisten wieder gefunden heute in einem kleinen Josef - dem Kind von einem Mitarbeiter. Er ist noch nicht ein Jahr alt. Er ist ein seinem Kinderwagen gewesen, hat gelächelt und hat es sichtlich genossen. Genau so fühle ich mich.

Wie sehen Sie Medjugorje innerhalb der Kirche?

Ich glaube, dass Medjugorje eine sehr, sehr wichtige Funktion in der Kirche hat. Die Kirche geht durch eine schwere Phase der Prüfung weltweit, und sie ist noch allzu bereit, sich die Schuld gegenseitig zuzuweisen. Ich glaube, dass die Anwesenheit der Muttergottes allein diese Einheit schon bewirken kann. Ich bemerke das bei den österreichischen Gruppen, die nach Medjugorje kommen. In der Mitte von allen Spannungen in der Kirche steht diese Gruppe still, völlig treu geht sie ihren Weg. Und zeigt in einer mütterlichen Weise, was in der Kirche wesentlich ist, und was nicht.

Es wird gesagt: „An ihren Früchten wird man sie erkennen”. Was sind Ihrer Meinung nach die Früchte von Medjugorje?

Da kann ich nur meinen Kardinal Christoph Schönborn zitieren, der gesagt hat, dass 90% aller seiner Neuberufungen auf irgendeine Weise von Medjugorje kommen. In Österreich habe ich in verschiedenen Teilen des Landes gesehen, dass in der einen oder anderen Pfarre plötzlich über das normale Maß der Pfarre hinaus, z.B. ein Anbetungskreis für Kinder entsteht. Und wer sind diese Kinder? Das sind die Kinder, die gestern und vorgestern hier ganz vorne in der Kirche gestanden sind. Das heißt, Medjugorje strahlt bis in die Familien, bis in die Pfarren hinein. Wiederum eben ganz normal marianisch: die Muttergottes tut nichts außergewöhnliches, sie ist nur außergewöhnlich.

Kann man Medjugorje mit Lourdes oder Fatima vergleichen?

Hier kann ich Bischof Hnilica zitieren, der gesagt hat: in den Marienerscheinungen in Europa sieht man genau die Pädagogik der Muttergottes, die die Pädagogik der Kirche ist. Die erste große Erscheinung - Lourdes - hat mit dem Taufsakrament zu tun. „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“ - Wasser als Symbol - die Reinigung. In Fatima erkennt man das zweite Initiationssakrament - den Empfang des Heiligen Geistes - die Firmung. Der Engel fragt die Kinder: seid ihr bereit eure Leiden, Gebete usw. für die armen Sünder zu opfern? In Fatima geht es nicht um die persönliche Heiligung, sondern um den Auftrag, die anderen zu heiligen. Und in Medjugorje wäre dann das dritte Sakrament - die Eucharistie - eng verbunden mit der Vorbereitung auf den Empfang des Herrn durch die Beichte. Ich glaube, da ist eine ganz enge Verbindung. Wir werden hingeführt zu einem Weg der Heiligkeit.

Würden Sie noch etwas hinzufügen?

Das wichtige in unseren Tagen heute ist die Treue. Mutter Teresa hat gesagt: „Gott hat mich nicht berufen, Erfolg zu haben, Er hat mich berufen, treu zu sein.“ Das ist eigentlich auch unsere Berufung.

Interview: Sanja Pehar

 


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