Sieben Monate mit der Gospa

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Gott allein genügt!

20. OKTOBER 2005, 0500 UHR. Begleitet von zwei Freunden und Weggefährten im geistlichen Leben, beginne ich meine Medjugorje-Reise: es ist der Tag, an dem ich meinen Eintritt in die Gemeinschaft „Königin des Friedens“ mache. Die langen Stunden der Reise lassen Gedanken und Empfindungen wach werden: welche Etappen haben mich zu dieser Entscheidung geführt?

Ich kehre zurück zur Sommerzeit 1998, dem Jahr, wo Maria mich vorbereitet hat durch zwei besondere Begegnungen mit ihr und ihrem Sohn. Die erste war eine Pilgerfahrt in Spanien zum Grab der heiligen Teresa von Avila und des heiligen Johannes vom Kreuz, und nach Garabandal, dem Ort von Marienerscheinungen zwischen 1960 und 64. Wenige Wochen später kam es zur zweiten Reise, nach Medjugorje diesmal, die erste für mich auf diesen Boden. Am Schluss, im Car, gab ich den andern Pilgern ein einfaches Zeugnis. Voller Emotionen, Mein Herz wiederholte voller Emotionen immer diesen Satz, der nach diesen wichtigen Begegnungen in mir widerhallte, und ich sagte: „... jetzt verstehe ich, dass es wahr ist, was die heilige Teresa von Avila sagt: „ Allein Gott genügt“ – Gott allein genügt“.

Ich kehrte nach Medjugorje zurück, ein zweites, ein drittes Mal. Da entdeckte ich Maria, die Frau, zu der ich seit meiner Kindheit gebetet habe. Die Königin des Himmels stieg von ihrem Thron und erreichte mich, um mich in die Arme zu nehmen wie die bescheidenste und einfachste Mutter der Welt. Ich entdeckte, Maria ist Mutter, ist meine Mutter! Und seit dieser zärtlichen Umarmung wünschte ich, mich nie mehr von ihr zu trennen.

20. OKTOBER 2005, 19.30 UHR. Unser Auto hält vor der Pfarrei St. Jakob; wir betreten die Kirche zu einem Kurzbesuch: eben ist die Eucharsitische Anbetung im Gang. Bei unserm Eintritt singen Chor und Gläubige: „Nada te turbe, ... solo Dios basta“. Das ist Marias Feingefühl, eine letzte mütterliche Ermutigung, ein dünner Goldfaden knüpft die Vergangenheit an die Gegenwart, und mit Furcht und Zittern antworte ich: “Hier bin ich!“

So begann meine Kandidatur-Zeit in der Gemeinschaft, die mir erlaubte, in Medjugorje zu bleiben. Während rund sieben Monaten. Die Erfahrung, eine längere Zeit dort zu bleiben war ganz anders als die vorausgegangenen Wallfahrten. Es war keine Welle von Segnungen, wie man sie normalerweise konzentriert erhält in 4 oder 5 Tagen des Hierseins. Es war eher ein sich öffnen der alltäglichen Gnade, ein sie empfangen in kleinen Tropfen, sie geniessen, ein sichdurchdringen-lassen, sich ganz dem ausserordentlichen Handeln des Herrn anheimstellen.

Medjugorje wechselte das Gesicht wie die Natur im Wandel der Jahreszeiten. Der Herbst war noch voller Pilger und Bewegung, fast wie im Sommer, und man erholte sich, als wäre es kurz nach Ostern. Es kamen aber die Wintermonate, die mich hauptsächlich mit einbezogen, eine Zeit, während der auf Pfarrei und Land eine segensreiche taube Trägheit fällt.

Zwischen allgemeinem und besonderem

möchte ich vor allem drei Momente foto

grafieren, die dem Rhythmus meiner Wochen in jener Zeit den Takt schlugen.

Das erste davon was die Abendmesse. Die Feier versammelte die wenigen, konstanten Pilgergruppen. Eine kleine Vertretung von Christen, gekommen aus den verschiedenen Orten der Welt, rückt zusammen um zu verkünden: „Ich glaube an die Kirche, der EINEN ...“ um dabei zu entdecken, aus wie weiter Entfernung man Glied am einen Leib Christi ist, versammelt unter dem Mantel Marias, der Mutter der Kirche. Ich spüre, dass die heilige Jungfrau anwesend ist, empfinde die Universalität ihrer Fürsprache: geeint in Jesu Opfer gibt man sich dem Vater hin für die Welt, für die ganze Herde seines Sohnes.

Dann die Morgenmesse: fast ohne Pilger. Der hl. Jakob beherbergt seine Pfarrkinder, die schwarzen Schleier der Frauen, die strengen Linien der Gesichter und die Herzen reich an echtem Glauben der heimischen Menschen. Auch in diesem Fall reiht sich die Madonna mit ihnen in ihr Gebet, bittet, gibt sich hin für das Volk von Bosnien-Herzegowina. Der Rahmen wird enger, ihre Liebe wird eine besondere¨, sie führt mich zur Überlegung, wie jeden Tag und in jedem Land der Erde sie sich vor Gott stellt auf besondere Weise für jeden Kern der grossen menschlichen Familie.

Drittes Fotogramm: ein Samstag Nachmittag, als ich auf den Priester warte vor den Beichtstühlen. Heute bin ich total allein, kein anderer Pilger weit und breit. Auch die Pinienallee hinter der Pfarrkirche ist leer. Im Geiste versuche ich, diese Räume mit Jungen zu bevölkern, mit Gläubigen jeden Alters, durch Gesänge ... wie an den Sommerabenden, wo man sich um den eucharistischen Christus schart. Es ist fast ein herbeizwingen der Sensation der Verlassenheit, dessen ich mir bewusst werde. Aber wie in einem Spiel mit konzentrischen Kreisen verstehe ich diesen Kernpunkt, wohin Maria mich führt, dort, wo ihre Mutterschaft ganz exklusiv wird, hier, in der Intimität und dem Schweigen des Herzens, in der Einsamkeit und in die düstern Winkel der Seele, wo es für mich schwierig ist, meinem Herrn ins Angesicht zu schauen.

Ohne diese Erfahrung, ohne in Wahrheit erkannt zu haben, dass ich persönlich geliebt bin, hätte mein Gebet keine Kraft, und die Hingabe meiner Person für meine Familie, mein Volk, für die Kirche und die Welt wäre eine blosse „klingende Schelle“. Ich kann darum ohne Scheu und dankbar bekräftigen, dass heute Medjugorje mein Alles ist, die Königin und Mutter des Friedens, die durch ihre Anwesenheit, den Augen des Herzens nicht unsichtbar, einen zärtlichen Blick allein für mich hat.

Und für all jene, die auf verschiedene Weisen die Einladungen der Gospa erkannt und darauf geantwortet haben, für wer in Medjugorje gewesen ist oder in seinem eigenen Haus lebt, in seiner Seele, wünschte ich, dass er diesen Blick erfahre, mit dem die Mutter ihn anspricht als wie ihren einzigen Sohn, als ob sie sagen möchte: „All das ist für dich: die Güte Gottes, die mir diesen Auftrag übergibt, meine Gesten, die Botschaften, die 25 Jahre Erscheinungen ... alles ist für dich, damit der Herr dir sagen kann, wie der ganze Himmel dich liebt. Und du, Kind, verstehst du meinem Jesus zu antworten auf deine Art, genau so einzigartig und persönlich? Verstehst du mutig und bescheiden deinen Auftrag anzunehmen, den er dir anvertraut, in dem Stand wozu du berufen bist? Wirst du dein ganzes Sein als Geschenk bringen können, du Junger, du Alter, du Kranker, du Studierender, Arbeiter, Vater, Mutter, du Gerufener zum geweihten Leben?

Für sieben Monate, für andere eine Pilgerfahrt, oder zwei ... ein einziger Moment in Medjugorje um sich berühren zu lassen von der Liebe des Vatergottes und von Maria; für jeden die eigene Existenz hingeben aus Dankbarkeit für so viel Güte. Die Königin des Friedens lässt den Ring des Heiligen Geistes, der uns bittet, uns ganz dem Willen Gottes zu ergeben, um ein lebendes Wunder seiner Liebe zu werden, in uns nicht unfruchtbar bleiben.

Davide Cavanna

 


Damit Gott in euren Herzen leben kann, müßt ihr lieben.