Einladung zur Täglichen Schriftlesung

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Gedanken aus den Botschaften zu Einzelnen Schriftstellen

Die Botschaften von Medjugorje sind ein drängender Aufruf an uns, das Evangelium zu leben. Am Aufruf zur Bekehrung, dem Ausgangspunkt des Evangeliums und der Botschaften der Gottesmutter, ist das schon gezeigt worden. Hier seien noch einige andere wichtige Aussagen der Frohen Botschaft den Botschaften von Medjugorje gegenübergestellt.

"...Dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten." (Lk. 18,1)

Die erstaunliche Tatsache, dass die Gottesmutter so lange Zeit hindurch in Medjugorje erscheint, erklärt sie selber mit dem Hinweis: "Ich will euch beten lehren." (12. Juni 1985). Das Ziel dieser Unterweisung ist das immerwährende Gebet. Ohne Unterlass zu beten, werden wir immer wieder aufgefordert. Das immerwährende Gebet ist wohl dann verwirklicht, wenn jemand bei allem, was er denkt, redet und tut, Gott nicht mehr aus seinem Gesichtsfeld verliert, sich immer liebend Seiner Gegenwart bewusst ist. Eine solche stete Zuwendung auf Gott hin behindert keineswegs die gute Erfüllung aller Lebensaufgaben. Im Gegenteil, wer Gott immer vor sich hat, bleibt sich auch seiner Verantwortung vor Gott in allem Tun und Lassen bewusst, verliert auch nie die Hoffnung auf Seinen Beistand und Seine Hilfe, da er weiß, Gott ist da, auch für ihn. Diese Haltung des immerwährenden Gebetes setzt jedoch spezielle Gebetszeiten voraus, in denen man sich immer wieder Gott ausschließlich und ganz bewusst zuwendet. "Ich bitte euch, liebe Kinder, geht bewusst zum Gebet," (25. November 1985) und "Ihr, liebe Kinder, könnt nicht begreifen, wie wertvoll das Gebet ist, solange ihr nicht selber sagt: Jetzt ist die Zeit zum Beten! Jetzt ist mir nichts anderes wichtig, jetzt ist für mich niemand wichtig außer Gott." (2. Oktober 1986), so lädt die Gottesmutter zum Beten ein; in gewissem Sinn ist auch eine regelmäßige Gebetszeit jeden Tag schon ein "immerwährendes Beten", eines, das immer wieder aufgegriffen wird und so nicht mehr aufhört. In diesem Sinn ruft die Gottesmutter auf, den Tag immer mit Gebet zu beginnen und mit Gebet zu beenden. Mit Sicherheit führt eine solche Gewohnheit, wenn sie nur ein echtes Beten, ein Beten mit dem Herzen ist, dazu, dass das Gebet den ersten Platz im Leben einnimmt. Die Gottesmutter lädt dazu nicht nur den Einzelnen, sondern auch die Familien ein. Dahin möchte sie führen, dass unser "Tag nur Gebet und vollkommene Hingabe an Gott sei." (4. September 1986). Von nichts anderem ist in den Botschaften vom Donnerstag und vom 25.des Monats so oft die Rede, wie vom Gebet. Marija schrieb einmal als Widmung in ein Buch, dass die Gospa jeden Tag sage, wir sollen beten! Und sie fügte hinzu: "Durch das Gebet könnt ihr alles erreichen, auch das, von dem ihr meint, dass es unmöglich ist." Es ist das gleiche, was Jesus vom Gebet sagt: "Wenn ihr in mir bleibt und Meine Worte in euch bleiben, so möget ihr bitten um was ihr wollt, es wird euch zuteil werden." (Joh. 15,7) Ihre Unterweisung im Gebet begann die Gottesmutter damit, dass sie die Seher zu bestimmten mündlichen Gebeten anhielt - so wie Jesus der Bitte der Jünger, sie beten zu lehren, mit dem Vaterunser entsprach. (Lk. 11,2). Das Hauptgewicht der Gebetsanleitung der Gottesmutter liegt in der Forderung, mit dem Herzen zu beten: "Liebe Kinder! Heute lade ich euch ein: Betet mit dem Herzen..." (2. Mai 1985). Danach befragt, betonen die Seher, wie entscheidend es ist, mit dem Herzen zu beten, etwa Marija: "Die Gospa leitet uns an, mit dem Herzen zu beten. Das Herz muss bei dem sein, was die Worte sagen", und bei einer anderen Gelegenheit: "Alles, was einem Kummer macht, muss man vertrauensvoll hinlegen, anempfehlen, frei werden davon, dass man mit unbeschwertem Herzen beten kann." In der Unterweisung durch die Gottesmutter haben die Seher so neu erlernt, was schon im Philipperbrief nahegelegt ist. "Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott." (Phil. 4,6). Das Herzensgebet zeigt nicht nur übernatürliche Auswirkungen, es wirkt sich auch im natürlichen Bereich segensvoll aus: Es hilft die Erschöpfung überwinden und schenkt Freude und Erholung. Die liebende Zuwendung des Herzens, das heißt der ganzen Persönlichkeit eines Menschen, ist das Entscheidende beim Beten. Sei es im Bemühen des Anfangs oder in der Vollendung des immerwährenden Gebetes. "Mit dem Herzen beten, das ist das Wichtigste" (Marija), und "das ist das wahre Gebet" (Ivan), so heißt das Zeugnis junger Menschen, die direkt von der Gottesmutter zum rechten Beten angeleitet wurden.

"... Kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden." (Mt. 17,21)

Als Jesus mit drei seiner Apostel am Berg der Verklärung war, erlebten die anderen Jünger in der Begegnung mit einem Besessenen die unheimliche Macht des Bösen. Erst als Jesus zurückkam und dem Dämon drohte, ließ dieser von dem bedauernswerten Menschen ab. Die staunenden Jünger belehrte Jesus, dass solches nur durch Gebet und Fasten erreicht werden könne.(Mt.17,14-21). Wenn auch die Bedeutung von Visionen und den darin vermittelten Botschaften nicht in der Mitteilung neuer Glaubenswahrheiten bestehen kann, so werden doch mitunter vergessene Wahrheiten durch die Botschaften neu in Erinnerung gebracht. Ist in der Christenheit nicht das Fasten als wirksame Waffe im Kampf gegen das Böse praktisch vergessen gewesen? Jesus widmet in der Bergpredigt der Darlegung des rechten Fastens eine längere Ausführung (Mt.6,16-18), Er selbst fastet (Mt.4,2) und rechtfertigt das Fasten zur angemessenen Zeit. (Mt.9,15). In der Botschaft von Medjugorje hat der Aufruf zum Fasten von Anfang an seinen Platz. Die Seher gaben ihn schon bald nach Beginn der Erscheinungen weiter. In den Donnerstag-Botschaften wird er immer wieder aufgegriffen. Dabei spricht die Gottesmutter unsere innerste Bereitschaft an, ("mit dem Herzen" gilt es zu fasten, 20.September 1984), sie motiviert uns mit dem Hinweis, dass unser Fasten ein Beitrag zur Überwindung des Bösen ist und gibt uns auch ein Ausmaß vor, das wohl spürbar, aber - für den gesunden Menschen - durchaus durchführbar ist: Zweimal in der Woche. Die Aufforderung zu fasten ist in der Botschaft von Medjugorje eine Einladung, kein Gebot, die Einladung einer liebenden Mutter an ihre Kinder, denen sie Großes zutraut, in der es aber auch um Großes geht. Alle 6 Seher überbrachten schon 1982 die Botschaft, dass durch Fasten und Gebet sogar Kriege verhindert werden können. Deshalb haben wohl auch schon die Propheten des Alten Bundes in Krisenzeiten zum Fasten und Beten aufgerufen. Maria verehren wir als die Königin der Propheten. Ihre Einladung ergeht in einer Zeit, die von Katastrophen und Gefahren gekennzeichnet ist. Wir müssen dankbar sein, von ihr auf Zusammen- hänge aufmerksam gemacht zu werden, die wir aus Eigenem gar nicht erkennen könnten. Wichtig ist auch, dass der Aufruf zum Fasten immer mit der Einladung zum Gebet verbunden ist. Erst das Gebet, das Ausgerichtetsein auf Gott, gibt dem Fasten seinen eigentlichen Wert und seine Wirkung. Bereitwilliges Fasten wirkt sich verschiedentlich segensreich aus. Es befreit von Abhängigkeiten und Gebundensein und macht so frei für das, was Gott geben möchte. Auch viele Werke der Nächstenliebe werden erst durch Verzichtleistung möglich. Wer fastet, trägt bei zum Frieden, zum Heil, zum Sieg des Guten.

"Selig, die Frieden stiften." (Mt. 5,9)

Der erste Appell der Gottesmutter in Medjugorje war der Aufruf zum Frieden; zwischen Gott und Mensch und zwischen den Menschen sollte er bestehen. Gott bietet ihn uns an. Wir müssen dabei mitwirken. Am fünften Jahrestag dieser ersten Friedensbotschaft wird der Aufruf eindringlich neu ausgesprochen: "Liebe Kinder! Der Herr erlaubt mir, mit Ihm, diese Oase des Friedens zu errichten. Ich möchte euch einladen, sie zu hüten, damit diese Oase immer rein sei. Es gibt solche, die durch ihre Nachlässigkeit den Frieden und das Gebet zerstören. Ich rufe euch auf, Zeugnis abzulegen und durch euer Leben zur Bewahrung des Friedens beizutragen." (26. Juni 1986). Als Königin des Friedens hat sich die Gottesmutter schon am Anfang der Geschehnisse den Sehern gegenüber bezeichnet. Aus der Heiligen Schrift wissen wir, dass der Friede im letzten ein Geschenk Gottes an die Menschen ist; der Herr segnet sein Volk mit Frieden. (Ps. 29,11). Er schenkt ihn (Jes. 26,3), von Ihm kommt er (Offb. 1,4). So erbittet Paulus in seinen Briefen immer wieder von Gott den Frieden für die Gemeinden (etwa Röm. 1,7). Unsere Aufgabe bleibt es, diesen Frieden von Gott zu erbitten, aber auch uns für diesen Frieden einzusetzen. "Liebe Kinder! Ich lade euch ein, durch euren Frieden beizutragen, dass die anderen den Frieden sehen und den Frieden zu suchen beginnen. Ihr, liebe Kinder, seid im Frieden und könnt nicht begreifen, was Unfriede bedeutet. Deshalb rufe ich euch auf, durch euer Gebet und durch euer Leben zu helfen, dass in allen Menschen das Böse vernichtet und die Irreführung, der sich der Satan bedient, aufgedeckt wird. Betet, dass die Wahrheit in allen Herzen vorherrsche." (25. September 1986). So spricht uns die Gottesmutter an und hebt dabei hervor, dass unser Einsatz für den Frieden zunächst im selbstgelebten Frieden besteht, dass der Unfriede seine Wurzeln im Bösen hat, das heißt aus dem irregeführten Herzen aufsteigt und in der Irreführung durch Satan seinen Ursprung hat. Die Seher sagen immer wieder, dass wir aufgerufen sind, "Frieden zu machen", dass also Schritte von uns verlangt sind, die dem Frieden dienen, die Unfrieden überwinden helfen. Es gibt unverzichtbare Werte, die wir nie aufgeben dürfen, Eigenliebe und Rechthaberei gehören aber bestimmt nicht dazu: Hier gilt es, sich zu überwinden. Jesus hat durch Seine Hingabe am Kreuz den Frieden ermöglicht und "in seiner Person die Feindschaft getötet" (vgl. Eph. 2,14ff). Jesus, der Gekreuzigte, wird uns hier als Ursprung und Ursache des Friedens gezeigt. Das Kreuz wird so zum Zeichen der Versöhnung und des Friedens. "Frieden machen" verlangt sehr oft die Bereitschaft zum Kreuztragen. Deshalb sagt uns wohl auch die Gottesmutter: "Das wird helfen, unsere Ohnmacht zu überwinden gegenüber allem, was dem Frieden hinderlich ist." (6. September1984).

"Seid dankbar!" (Kol. 3,15)

Die Gottesmutter dankt in fast jeder ihrer Botschaften in Medjugorje denen, die ihrem Ruf Folge leisten. Manchmal dankt sie eigens noch für anderes: für die Bereitschaft, sich ihr zu weihen, für Gebete, für Mühen und Opfer, für das Umsetzen ihrer Botschaften ins Leben. Sie dankt allen, die etwas für sie tun. "Für jede Antwort auf die Botschaften" (8. Jänner 1987). Wie viel dieser immer neu ausgesprochene Dank in sich schließt, wird umso mehr erfasst werden können, als jemand dieses "Danke" als an sich persönlich gerichtet erkennt.

Ein Jugendlicher fragte einmal die Seherin Marija Pavlovic, beeindruckt von dem ununterbrochenen Pilgerandrang, dem sie ausgesetzt ist, wie sie eine solche Belastung überhaupt aushalten könne. Marija antwortete: "Wenn du wüsstest, wie das ist, wenn sich die Gottesmutter bei einem bedankt!"

Die Gottesmutter bedankt sich aber nicht nur bei uns, sie bedankt sich auch bei Gott, weil Er ihr das Kommen zu uns gewährt. Das Verhalten der Gottesmutter erinnert uns, dass auch wir allen Grund haben, dankbar zu sein. Bedanken hat etwas mit "bedenken" zu tun, worauf schon die gemeinsame Sprachwurzel beider Wörter hinweist. Wer dankt, hat erkannt, dass er beschenkt ist. Der Apostel Paulus verweist uns in seiner rhetorischen Frage auf die alles, ja sich selbst verschenkende Liebe Gottes: "Was hast du, das du nicht empfangen hast?" (1Kor. 4,7). In den Botschaften von Medjugorje wird uns eindringlich unsere Dankesschuld in Erinnerung gebracht. Eine rein äußerliche Dankabstattung ist damit selbstverständlich nicht gemeint, sich damit zu begnügen wäre das Ende wahrer Dankbarkeit! Die Mutter Gottes sagt, unser Leben soll eine freudige Danksagung sein, die wie ein Fluss der Freude aus unserem Herzen strömt. Für alle gewährten Gnaden, ja selbst für die kleinsten Dinge, sollen wir Gott danken, damit wir fähig werden, auch in großen Dingen Dank zu sagen. (Vgl. 25. Sept. 1989; 25. August 1995; 25. Okt. 1995).

Nur allzu leicht ist man gewährten Gaben gegenüber gedankenlos. Das führt uns der Evangelist Lukas in seinem Bericht über die zehn Aussätzigen vor Augen: Auf dem Weg nach Jerusalem kamen sie Jesus entgegen und baten Ihn, sie zu heilen. Jesus sagte: "Geht, zeigt euch den Priestern!" Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte Ihm. Da sagte Jesus: "Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem...?" (Vgl. Lk. 17,11-19)

Bei uns soll es anders sein. Die Mutter Gottes ruft uns auf, ohne Unterlass zu danken. Äußere Zeichen dankbarer Gesinnung sind gut; Worte des Dankes, aber auch Fasten und andere gute Werke eignen sich dafür. Entscheidend dabei ist aber unsere Haltung der Liebe und Wertschätzung dem Schenkenden gegenüber.

"Freuet euch im Herrn!" (Phil. 4,4)

Das Christentum ist die Religion der Freude, der Christ richtet sein Leben aus, nach der Frohbotschaft, die Christus gebracht hat. Er sagt von der Vollendung, in die Er uns führen will: "Dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude" (Joh. 16,22), und der Apostel ruft auch uns mit den Philippern zu: "Freuet euch im Herrn zu jeder Zeit! Nocheinmal sage ich: Freuet euch!" (Phil. 4,4). In ihren Botschaften erinnert die Gottesmutter wiederholt, dass wir allen Grund zur Freude haben, besonders eindringlich am 25. August 1988: " Liebe Kinder! Heute lade ich euch alle ein, dass ihr euch über das Leben, das Gott euch gibt, freut. Meine lieben Kinder, freut euch über Gott den Schöpfer, der euch so wunderbar geschaffen hat! Betet, dass euer Leben eine freudige Danksagung sei..." Maria weiß aber auch, das unsere Freude gefährdet ist: "Der Teufel wirkt noch heftiger, um jedem von euch die Freude zu nehmen. Mit dem Gebet könnt ihr ihn ganz entwaffnen und euch euer Glück sichern." (24. Jänner 1985). Und sie verspricht: "Im Gebet werdet ihr die Freude erfahren..." (28. März 1985). Sie, die in die nie verlierbare Freude Gottes eingegangen ist, lädt uns ein: "Freut euch mit mir!" (18. April 1985).

"Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit!" (2Kor. 3,17)

Vom Geschenk der Freiheit können wir nur auf unzugängliche, menschliche Weise sprechen. Das Zusammenwirken von göttlicher Allmacht und menschlicher Freiheit wird uns immer ein undurchdringliches Geheimnis bleiben. Die Freiheit, die Gott uns schenkt, ist die Voraussetzung, dass wir Seine Liebe mit unserer Liebe beantworten können, denn zu liebender Zuwendung kann man niemanden zwingen. Die Freiheit schließt aber auch das Risiko der Verweigerung ein. Papst Johannes Paul II. stellte bei seinem Pastoralbesuch 1983 in Wien in einer Ansprache fest, dass "die Geschichte der Menschheit eine Geschichte der missbrauchten Freiheit" ist.

Die Botschaft von Medjugorje fordert uns auf, mit diesem Missbrauch aufzuhören; sie sagt uns darüber hinaus, dass Gott uns zur Verwirklichung Seines Heilsplanes braucht: "Ohne euch kann Gott das nicht verwirklichen, was Er will. Gott hat euch allen den freien Willen gegeben und ihr verfügt darüber." (30. Jänner 1986). Gott hat also ein Stück Freiheit gleichsam an uns weggeschenkt und verfügt nun selbst nicht mehr darüber. Die Appelle der Gottesmutter in den Botschaften von Medjugorje betonen diese unsere Freiheit: "Ich bin mit euch, aber ich kann euch eure Freiheit nicht nehmen." (7. August 1986). Wir müssen handeln "als Freie, aber nicht als solche, die die Freiheit als Deckmantel für das Böse nehmen, sondern wie Knechte Gottes." (1Petr. 2,16)

Tut dies zu meinem Gedächtnis!" (Lk. 22,19 u. 1Kor. 11,24-25)

Wenn man die Seher fragt, welches Gebet die Gottesmutter am meisten nahelegt, verweisen sie einhellig auf die Mitfeier der Heiligen Messe. Das Konzil hat uns daran erinnert, dass sich in ihr das Werk unserer Erlösung vollzieht; dass sie der Höhepunkt und die Kraftquelle unseres Lebens aus dem Glauben ist. Sie schließt in sich durch ihre Riten alles ein, worauf unser lebendiges Chistsein gründet: Die Abkehr von der Sünde, das Hören auf Gott und das Sprechen zu Ihm, die Hingabe an Gott, die Anbetung und das Gesandtsein. In der Feier der Heiligen Messe begegnen wir Christus in Seinem Evangelium und im Brot des Lebens. Diese Begegnung befähigt uns, im Alltag den Mitmenschen in rechter Weise zu begegnen, denn eine Frucht der Heiligen Messe ist eben auch der Friede. Eine Botschaft fasst all das zusammen: "Die Heilige Messe soll euch das Leben sein!" (25. April 1988) Medjugorje lehrt uns, uns Zeit zu nehmen für die Heilige Messe, auch zur Vorbereitung und zur Besinnung danach. Viele hören mit dem Messbesuch ja deshalb auf, weil sie nicht mehr fähig sind, die Messe echt mitzufeiern. "Die Messe gibt mir nichts", sagen sie dann. Durch Medjugorje haben viele Menschen neu verstehen gelernt: Die Heilige Messe ist eine Zeit, die uns geschenkt ist, in der Jesus Seine Gnaden gibt. Deshalb sollen wir mit Liebe kommen und die Heilige Messe mit Liebe annehmen, wir sollen aktiver an ihr teilnehmen. Auf den Einwand eines Pilgers, keine Zeit für die Heilige Messe zu haben, antwortete die Seherin Marija einmal, es komme darauf an, nach welchen Grundsätzen man seine Zeit einteile.

Hier sei auf die zur Eucharistie einladende Botschaft vom 25. September 1995 verwiesen: "Liebe Kinder! Heute lade ich euch ein, euch in das Allerheiligste Sakrament zu verlieben. Betet Jesus in euren Pfarren an, so werdet ihr mit der ganzen Welt verbunden sein und Jesus wird euch zum Freund werden."

"Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben!" (Joh. 20,23)

Friede beginnt im eigenen Herzen, beim Frieden mit Gott. Ihn zu erlangen, schenkt Christus das Sakrament der Versöhnung, die heilige Beichte. Wo dieses Sakrament gespendet und empfangen wird, dort wendet sich Jesus erneut einem Menschen zu und es vollzieht sich, was im Evangelium wiederholt dargestellt ist. Jesu Worte werden wirksam: "Deine Sünden sind dir vergeben. Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden," (Lk. 7,48.50) und: "Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!" (Joh. 8.11).

Priester, die in Medjugorje Beichten gehört haben, wissen, wie oft diese der Ausdruck einer echt vollzogenen Bekehrung sind. Den darin gewonnenen Frieden mit Gott gilt es zu erhalten. Die regelmäßige Beichte ist eine Hilfe, diese Bekehrung durchzuhalten und zu leben.

Die Gottesmutter empfiehlt den monatlichen Empfang des Bußsakramentes (6. August 1982). Die zahlreichen Beichten in Medjugorje beziehen sich auf beides: auf die Umkehr dessen, der den Gnadenstand verloren hat und auf die Hilfe für den, der dem Auftrag der Heiligen Schrift nach Fortschritt im Guten entsprechen will: "Wachset in der Gnade!" (2 Petr. 3,18).

"Ziehet den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist, in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit" (Eph. 4,24)

Christsein ist die Berufung zur Heiligkeit, zu lebendiger Verbindung mit Gott. Deshalb spricht Paulus in seinen Briefen die Christen als "berufene Heilige" an (Röm. 1,7; 1Kor. 1,2) und stellt ihnen ihre beständige Aufgabe, nach Heiligkeit zu streben, vor Augen (1Thess. 4,3; 2Kor. 7,1). Der Ruf zur Heiligkeit ist auch eines der Zentralthemen der Botschaften von Medjugorje, er ergeht "ohne Unterschied" an alle! (25. September 1988). Ihre Bitte an uns, "den Weg der Heiligkeit anzunehmen"(25. Juli 1987), begründet Maria mit ihrer Liebe zu uns. Sie will, dass wir heilig werden, sie will uns in Heiligkeit kleiden und uns auf den Weg der Heiligkeit führen. Das ist auch ein Grund für ihre lange Anwesenheit in Medjugorje. Sie nennt ihre Botschaften "das Samenkorn der Heiligkeit" (10. Oktober 1985) und drückt damit aus, dass bei allem notwendigen Bemühen unsererseits das Entscheidende dennoch stets das Wirken Gottes ist. So ruft Maria auf, um die Gabe der Heiligkeit zu beten, und sie spricht von ihrer Freude über all jene, die auf dem Weg der Heiligkeit sind. (Vgl. 24. Juli 1986).

Wo "Heiligkeit" ausschließlich mit "Erhebung zur Ehre der Altäre" in Verbindung gebracht wird, muss der allgemeine Ruf zur Heiligkeit unverständlich bleiben. Wie die Heilige Schrift meint die Gottesmutter aber mit "Heiligkeit" jene Lebensverbindung mit Gott, die in der Taufe grundgelegt wird. Sie sollen wir dann im Laufe unseres Lebens mit Gottes Hilfe mehr und mehr entfalten, damit sie einst in der Herrlichkeit des Himmels ihre Vollendung finden kann.

"Siehe, deine Mutter!" (Joh. 19,27)

Die lange Anwesenheit der Gottesmutter in Medjugorje ist erstaunlich. Ihr Verweilen ist auch eine Botschaft an uns. Wir erfahren daraus ihre mütterliche Nähe zu uns, wir erkennen, dass wir vom Himmel nicht allein gelassen sind in unserer so schwierigen Zeit. Sie sagt: "Liebe Kinder! Heute lade ich euch ein, nachzudenken, warum ich solange bei euch bin. Ich bin die Mittlerin zwischen euch und Gott. Deshalb, liebe Kinder, rufe ich euch auf, aus Liebe immer all das zu leben, was Gott von euch wünscht. Deshalb, liebe Kinder, lebt in aller Demut alle Botschaften, die ich euch gebe." (17. Juli 1986).

Durch Maria wollte der Gottessohn in unsere Welt eintreten, durch Maria sind wir angehalten zu tun, was Er uns sagt! (vgl. Joh. 2,5). Das ist die bleibende Sendung und Aufgabe Mariens. Die Theologen haben daraus die Lehre von Maria als dem Typus der Kirche abgeleitet: Auch die Kirche soll Jesus den Menschen nahebringen und sie lehren, Sein Wort zu erfüllen. Dabei hat jeder einzelne in der Kirche die Aufgabe, für sich Jesus zu finden und nach Seinem Wort zu leben und andere zu Jesus zu führen. Medjugorje schenkt uns dabei neue Hoffnung durch Maria, die uns sagt: "Ich bin eure Mutter und will euch zu Jesus führen." Ein Priester aus Medjugorje fasste einmal die Bedeutung Mariens für uns anhand der Erfahrung der jugendlichen Seher so zusammen: Sie erleben sie als Mutter, die die ganze Welt umarmen möchte.

"Wer mein Jünger sein will, nehme täglich sein Kreuz auf sich!" (Lk. 9,23)

Die Nachfolge, in die uns Jesus ruft, umfasst einen Weg und ein Ziel. Beides wird im Schlussgebet des "Engel des Herrn" angesprochen: Durch Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit und Auferstehung gelangen. Damit ist auch die Frage nach dem letzten Sinn menschlichen Leidens beantwortet. Eine nur diesseitig orientierte Logik kann die Spannung unerfüllter Glückssehnsucht nicht befriedigend beantworten. Das Evangelium weist über die Horizonte hinaus, die unserer Erfahrung und unserem Verstehen gesetzt sind. Jedes Kreuz, das christusverbunden und gottergeben getragen wird, hat Anteil an der erlösenden Kraft des Kreuzes Christi. Deshalb schreibt Paulus: "Christus will ich erkennen und die Macht Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit Seinem Leiden." (Phil. 3,10)

Die Gottesmutter kommt nicht nach Medjugorje, um uns das Kreuz abzunehmen. Sie ist eine realistische Mutter, die ihren Kindern keine Illusionen vormacht. Sie weiß um die Heilsnotwendigkeit von Kreuz und Leid und lädt ein, das Kreuz des Lebens in Liebe anzunehmen. Jesus trägt das Kreuz aus Liebe zu uns, wir sollen Ihm aus Liebe mit unserem Kreuz nachfolgen. Am Karfreitag, den 5. April 1985, sagte die Gottesmutter: "Habt keine Angst das Kreuz zu tragen. Da ist ja mein Sohn, der euch helfen wird." Maria lädt uns ein, sooft wie möglich vor dem Kreuz zu beten und das Leiden Jesu zu überdenken und verspricht daraus besondere Gnaden. In allen Bedrängnissen wird so das Kreuz sogar zur Freude, natürlich nicht als Stimmung oder Gefühl verstanden, sondern als tief erlebte Glaubenserkenntnis.

Ich möchte am Schluss dieser Gedanken die Aufmerksamkeit noch auf jene Menschen richten, die den Kranken hilfreich zur Seite stehen. Es sind nicht nur die Ärzte und Pfleger, es sind alle jene, die einfach da sind, wenn sie gebraucht werden. In der Heiligen Schrift wird uns berichtet, dass Maria zu Elisabeth über das Gebirge eilt, als sie vom Engel darauf hingewiesen wird, dass ihre betagte Verwandte so wie sie selbst ein Kind erwarte. Maria weiß, dass dort nun ihre jungen Arme, ihre Zuwendung, gebraucht werden. "Und sie machte sich auf den Weg und eilte" dorthin, wo Elisabeth zuhause ist. Und wir spüren aus dem Bericht, wie die Freude, helfen zu können, ihre Schritte beflügelt. Und zu solchen Menschen, die freudig zu helfen bereit sind, können wir alle werden; die Gesunden, wenn sie zupacken, die selbst krank sind, wenn sie christusverbunden ihr Leid tragen und aufopfern. Dann bekommt auch ihr Leid erlösende, segenbringende Kraft. Gerade die kreuztragenden Menschen dürfen sich mit Maria verbunden wissen, wie sie es selbst in einer Botschaft sagt: "Ich bin mit euch und euer Leid ist auch meines. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!" (25. April 1992).

Kurt Knotzinger, 1996

Kurt Knotzinger, geboren 1920 in Wien. Nach Theologie- und Musikstudium ist er zwölf Jahre als Gemeindepfarrer tätig. Seit 1966 ist er Geistlicher und Professor an der Theologischen Fakultät und am Gymnasium des Wiener Erzbistums in Sachsenbrunn.

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Damit Gott in euren Herzen leben kann, müßt ihr lieben.