Gespräch mit Prof. Dr. Adalbert Rebic

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Das Gespräch führte Vedrana Vidovic

The 22nd International Mariological and Marian Congress ended on September 8th in Lourdes, by a solemn Eucharistic celebration in the Basilica of the Holy Rosary. Holy Mass was presided by the Cardinal Poupard, special representative of the Holy Father, who also presided the Congress.

Mit einer Festmesse in der Rosenkranz-Basilika in Lourdes endete am 8. September, dem Festtag Mariä Geburt, der 22. internationale mariologisch - marianische Kongress. Hauptzelebrant war Kardinal Paul Poupard, der besondere Gesandte des Papstes, der auch Vorsitzender des Kongresses war.

Dieser Kongress wurde von der Internationalen Päpstlichen Mariologischen Akademie in Rom, der französischen mariologischen Gesellschaft und dem Heiligtum in Lourdes anlässlich der 150-Jahrfeier der Erscheinungen von Lourdes organisiert. Der Kongress beschäftigte sich mit dem Thema „Erscheinungen der Seligen Jungfrau Maria – zwischen Geschichte, Glauben und in der Theologie“.

Am Kongress nahm auch die kroatische Sprachsektion des Kroatischen Mariologischen Institutes KBF der Hochschule in Zagreb teil, an deren Spitze als Vorsitzende der Weihbischof von Zagreb Vlado Kosic und der Sekretär Pater Petar Lubin standen. Unter den mehr als 150 Vortragenden aus der ganzen Welt hielten auch 13 Teilnehmer der kroatischen Sektion ihre Vorträge. Prof. Dr. Adalbert Rebic sprach über das Thema „Die Erscheinungen in Medjugorje und die Theologie.“

Herr Professor Rebic, welches Ziel verfolgte dieser mariologisch-marianischen Kongress in Lourdes?

Das Ziel des 22. mariologisch-marianischen Kongresses, der anlässlich des 150. Jahrestages der Erscheinungen der Seligen Jungfrau Maria an Bernadette in Lourdes abgehalten wurde, war die theologische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Marienerscheinungen in der Geschichte, besonders in der Neuzeit und das Ausarbeiten dieses Themas im Rahmen der Theologie, der Erlösungsgeschichte und im Rahmen der Lehre der Kirche über Christus, den Erlöser, und die Kirche. Das war ein interdisziplinärer Dialog verschiedener theologischer Zweige über die Erscheinungen der Seligen Jungfrau Maria in neuerer Zeit.

Was sagt die Marienverehrung dem Menschen von heute?

Die Marienverehrung zeigt dem Menschen von heute in erster Linie den Ernst der Zeit. Maria wirkt durch ihre mütterliche Rolle in der Kirche und der Herr versucht offensichtlich die Menschen gerade durch Menschen zu führen. Darum schickt er die Selige Jungfrau Maria zu den Menschen, damit sie ihnen verkündet, was in diesem Augenblick für das Glaubensleben wichtig ist und von daher hat die Marienverehrung neben den Marienerscheinungen große Bedeutung. Gott will die Menschen auf die Ernsthaftigkeit des Glaubens aufmerksam machen, dass sie den Glauben annehmen, ihn leben und so zur Rettung gelangen. Aus dieser Sicht hat die Marienverehrung eine große Rolle.

Ihr Thema beim Kongress war „Die Erscheinungen in Medjugorje und die Theologie.“ Was haben Sie in Ihrem Vortrag besonders hervorgehoben?

Beim Kongress in Lourdes gab es elf Plenarvorträge über verschiedene Sichtweisen von Marienerscheinungen gegeben, angefangen von Vorträgen über die Erscheinungen des Auferstandenen Jesus an seine Jünger, über das Verhältnis der Marienerscheinungen im Hinblick auf diese österlichen Erscheinungen, über Unterscheidungskriterien des Übernatürlichen bei den Marienerscheinungen, über Marienerscheinungen in der Geschichte und welche Rolle sie spielen und über theologisch-rechtliche Kriterien. Danach wurde über die Seher gesprochen, über Botschaften, über ihre transzendentalen Erfahrungen, über ihre geschichtliche und kirchliche Bedeutung, über die prophetische Dimension der Erscheinungen und Botschaften.

Im besonderen war die Rede von einem Erscheinungsort in Afrika, in Kibeho, wo die Erscheinungen 1981 begannen und die der Ortsbischof anerkannt hat.

Der Vortragende zog Parallelen zwischen Lourdes, Fatima und Kibeho. In den Plenarvorträgen war von Medjugorje nicht die Rede, aber es wurde in einem Vortrag erwähnt. Ein Vortragender zog Parallelen zwischen den Marienerscheinungen von Medjugorje und den Kriterien, die eine kirchliche Anerkennung dieser Marienerscheinungen erfordern.

Es gab 16 Sprachsektionen und jede Sektion hatte je zehn Vorträge. Darunter gab es auch eine kroatische Sektion. Sie hatte 13 Vorträge. Unter diesen Vorträgen waren auch zwei Vorträge über Medjugorje. Ich habe über das Phänomen Medjugorje gesprochen und wie man dieses Phänomen theologisch erklären kann. Ich hielt mich nicht bei den Erscheinungen auf, sondern beim Phänomen Medjugorje. Ich versuchte das, was in Medjugorje geschieht, theologisch zu analysieren. Das sind vor allem kultische Versammlungen, bei denen die Eucharistie gefeiert wird, dann das Sakrament der Versöhnung mit Gott… Ich sprach auch von der pastoralen Bedeutung all dessen, was in Medjugorje vor sich geht. Danach habe ich versucht, den Anwesenden aufzuzeigen, was es wert ist, bei diesen Marienerscheinungen theologisch erwähnt zu werden. Da sind vor allem die Einladungen Mariens zum Frieden, zur Versöhnung mit Gott, zur Versöhnung mit den Menschen, die Verwirklichung des Friedens unter den Menschen, die Bekehrung, die Buße, das Gebet, besonders das Rosenkranzgebet, gute Werke und ähnliches. Ich habe dargelegt, dass das theologisch völlig fundierte Botschaften sind, die ihr Fundament in der Bibel haben und nicht im geringsten von der Lehre der Amtskirche abweichen. Die Botschaften, die von Medjugorje kommen, sind nämlich theologisch gesehen, schon seit langem hervorragendste Praktiken der Katholischen Kirche.

Mein Kollege Eduard Pericic hat in seinem Vortrag davon gesprochen, wie die Weltkirche, besonders einige kirchliche Würdenträger auf Medjugorje blicken, und wie sie es hochschätzen und darstellen. Hier hat er viele Kardinäle, Bischöfe und Erzbischöfe zitiert.

In meinem Vortrag habe ich mich auch damit beschäftigt, wie das Phänomen Medjugorje gelöst werden kann. Die Kirche ist geduldig und vorsichtig, daher müssen auch wir unsererseits viel Geduld haben und vorsichtig sein. Das heißt, dass man darauf achten muß, dass bei den Sehern und um sie herum in Medjugorje nicht etwas geschieht, was auch nur irgendeinen Schatten auf diese Ereignisse werfen könnte. Bis jetzt ist, so weit mir bekannt ist, alles im kirchlichen Rahmen geblieben, so wie es auch bei anderen Marienerscheinungen auf der Welt war.

Die Lösung hängt allein von den Sehern und Seherinnen ab. Das sind junge Menschen, die eine Zukunft vor sich haben und Maria und Gott auch weiterhin treu bleiben müssen und nichts tun dürfen, was die Erscheinungen in Medjugorje in Frage stellen könnte. Dass die Erscheinungen schon so lange dauern, ist für mich nicht zweifelhaft. In der Kirche gab es auch andere Erscheinungen, die bei einigen Mystikern ein ganzes Leben andauerten. Das sind hauptsächlich mystische Erfahrungen, die Auserwählte haben, die die Gospa erwählt und durch die sie der gegenwärtigen Welt etwas mitteilen möchte.

Aus dem Bisherigen sieht man, dass die Gospa in Medjugorje wichtige Dinge gesagt hat – sowohl in bezug auf unsere gegenwärtige Gesellschaft als auch im Hinblick auf das Glaubensleben der Menschen, der Katholiken. Das beste Zeichen ist, dass hunderttausende Menschen nach Medjugorje kommen und dass sie in Medjugorje erleben, was sie nirgendwo sonst auf diese Weise erleben können, etwas Transzendentales, Mystisches, etwas Geheimnisvolles. Das braucht viel Geduld und Gebet.

Schließlich hängt doch alles von der Seligen Jungfrau Maria, der Königin des Friedens, ab. Wenn sie will, dass Medjugorje tatsächlich ein Versammlungsort von Gläubigen um sie herum wird, wird das und am Ende auch die kirchliche Anerkennung niemand verhindern können.

Prof. Dr. Adalbert Rebic ist seit 1968 Professor für Bibelwissenschaften und orientalische Sprachen (Hebräisch, arabisch, und syro-aramäisch) an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität in Zagreb. Seit 1972 ist er Vorsitzender des Kroatischen Mariologischen Institutes und er organisierte die Kroatische Sektion bei internationalen Mariologischen Kongressen. Er ist ständiges Mitglied der Päpstlichen Marianischen Akademie in Rom (seit 1980), Mitglied des jüdischen Kulturvereines „Salom Freiberger“ in Zagreb (seit 1990). Er war auch Mitglied der internationalen theologischen Zeitschrift „Communio“ (1974 – 1992)

 


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