Ist Medjugorje eine geistliche bewegung in der Kirche?

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  1. Ist Medjugorje eine geistliche Bewegung?
  2. Ist Medjugorje eine Bewegung in der Kirche?
  3. Was zu tun dringend notwendig ist!

Ist Medjugorje eine Bewegung in der Kirche?

Wir haben festgestellt, dass die Medjugorjebewegung in ihrem Ursprung geistlich ist. Daraus kann man schließen: dann muss sie in ihrem Ursprung auch kirchlich sein. Ist doch der Hl. Geist, durch den unser menschliches Handeln geistlich wird, die Seele, das innerste Lebensprinzip der Kirche. Zentrale Lebensäußerung der Kirche ist die Feier der Sakramente. Das trifft im besonderen Maße für Medjugorje zu. Absoluter Mittelpunkt des Lebens wie auch der Gemeinde so auch der Pilger ist dort die Eucharistiefeier. Im Hinblick auf das Bußsakrament nennt man Medjugorje mit Recht den größten Beichtstuhl der Welt. Die Mitglieder der Pfarrgemeinde, die Seherinnen und Seher, die Franziskaner sind getaufte und gläubige Katholiken, gehören zur Kirche, sind Kirche. Deshalb ist auch die Bewegung, die sie ausgelöst haben, eine Bewegung in der Kirche. Der schon erwähnte Wiener Pastoraltheologe Zulehner hat vor 10 Jahren Medjugorje mit 40 Theologiestudenten besucht. Er fasste seine Eindrücke so zusammen: Medjugorje ist für mich so etwas wie ein Noviziat für die Kirche. Ein Ort, wo grundlegende kirchliche Lebensvollzüge eingeübt werden. Nun hat die Kirche zwei Aspekte. Sie ist hierarchisch geordnete amtliche Kirche, und sie ist das laós, Volk Gottes, die Laien. Diese haben ihre besonderen Charismen, sind beseelt vom Hl. Geist, "der einem jeden seine besonderen Gaben zuteilt, wie er will" (1 Kor 12,11). Dasselbe drückt der Apostel Paulus an anderer Stelle so aus: "Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut" (Eph 2,20). Zur Kirche gehören also unverzichtlich das hierarchische Amt (sprich: Diakone, Priester, Bischöfe und der Papst als Bischof von Rom), aber ebenso auch die Propheten (sprich: geisterfüllte Frauen und Männer und auch Kinder). In der Apostelgeschichte heißt es: "Eure Söhne und Töchter werden prophetisch reden, eure jungen Männer werden Gesichte schauen (2,17b). Die Regel sollte sein, dass die Amtsträger und die Charismatiker, Priester und Propheten, Amtskirche und Volkskirche einträchtig zusammenwirken. Aber das ist leider nicht immer der Fall. Oft gibt es zwischen ihnen Spannungen und Konflikte. Und dabei kann die eine wie die andere Seite sich verfehlen. Die Kirchengeschichte bietet dafür genügend Beispiele. Das kirchliche Amt kann sich - wo es nicht mit höchster Autorität unfehlbar spricht - irren und sich gegenüber echten Propheten und Prophetien verschließen. So hat die Amtskirche z. B. die Jungfrau von Orléans als Ketzerin verbrannt, bevor sie zur Einsicht kam, dass diese eine Heilige ist und in Gottes Auftrag handelte. Die Geschichte vieler Orden und geistlicher Gemeinschaften in der Kirche zeigt, dass ihre geistbewegten Gründerinnen und Gründer oft auf harten amtskirchlichen Widerstand und Widerspruch trafen, bevor sie schließlich anerkannt wurden. Im Zusammenspiel von Amt und Charisma, von Amtsträgern und Propheten haben beide Seiten von Gott ihre besondere Gabe und Aufgabe. Die Propheten, die sich unmittelbar von Gottes Geist berufen und bewegt wissen, müssen zu ihrer Sendung stehen und notfalls Gott mehr gehorchen als den Amtsträgern der Kirche, wenn diese ihnen den Mund verbieten wollen - durchaus vergleichbar den Aposteln vor dem Hohen Rat (siehe Apg 4,18-20). Wieviel Schwierigkeiten und Anfeindungen hat z. B. Bernadette von Soubirous vonseiten kirchlicher Vertreter erleiden müssen, ehe ihre Sendung nach jahrelangen Verdächtigungen anerkannt wurde. Wieviel Unverständnis und Misstrauen mussten die Kinder von Fatima durchleiden, ehe die Kirche sich dazu entschloss, ihre Erscheinungen und Botschaften als glaubwürdig anzuerkennen. Auf der anderen Seite hat das Amt in der Kirche den Auftrag, Propheten und Prophetien zu prüfen, ob sie aus Gott sind; denn es gibt ja auch falsche Propheten und falsche Prophetien.

Was nun die Medjugorjebewegung angeht, so haben wir es derzeit mit genau diesem klassischen Konflikt in der Kirche zu tun. Die Seherinnen und Seher wissen sich von Gott in Dienst genommen und bezeugen ihre geistlichen Erfahrungen, ihre Begegnungen mit der Gospa. Die amtlichen Seelsorger von Medjugorje haben sie geprüft und sind zu der Überzeugung gekommen: wir habe es mit echten, von Gottes Geist bewirkten Erscheinungen und Botschaften zu tun. Am Ort selber gehen also apostolisches Amt (= die Priester und Seelsorger der Gemeinde) und prophetisches Charisma (= die Seherinnen und Seher) einmütig miteinander. Das Gegeneinander findet auf der höheren Amtsebene statt: zwischen der Ortsgemeinde von Medjugorje und inzwischen darüberhinaus der weltweiten Medjugorjebewegung einerseits und dem Bischof von Mostar und den meisten seiner Amtskollegen in der Bischofskonferenz auf der anderen Seite. Der Konflikt kommt deutlich in dem schon herangezogenem Interview von Franjo Kardinal Kuharic zum Ausdruck, wo er feststellt: "Die Bischofskonferenz hält an dem Urteil, das sie vor dem Krieg über Medjugorje gefällt hat, noch fest. Aufgrund der Untersuchungen, die drei Jahre lang durchgeführt wurden, kam man zum Schluss, dass in Medjugorje keine übernatürlichen Erscheinungen stattfinden."

Sehen wir uns diese bemerkenswerte Äußerung genauer an. Im Jahre 1996 hält die Bischofskonferenz an dem Urteil fest, das sie in der Erklärung von Zadar am 11. April 1991 getroffen hat. Dieses Urteil ist damals gefällt worden aufgrund von Untersuchungen, die die 1986 eingesetzte Kommission drei Jahre lang vorgenommen hat, also etwa in der Zeit von 1987 bis 1990. Damit wird indirekt zugegeben, dass die ersten sechs Jahre wie auch die sechs Jahre seit 1991, in denen kriegsbedingt keine Untersuchungen stattfanden, unberücksichtigt geblieben sind. In diesen zwölf Jahren hat das Phänomen Medjugorje aber vital existiert! In den Kriegsjahren hat es eine fast unglaubliche Resonanz an tatkräftiger Hilfe auf die Not in Bosnien/Herzegowina gegeben, und zwar nachweislich von Pilgern und Gruppen, die durch Medjugorje motiviert waren. Trotz des Krieges, der bis an die Ortsgrenze von Medjugorje herangetragen wurde, ist der Erscheinungsort unbeschädigt und eine Oase des Friedens geblieben. Kann man das alles unberücksichtigt lassen? In der von Hass und Feindschaft hochemotionalisierten Atmosphäre des Krieges kamen aus Medjugorje, aus dem Mund der Seherin Vicka, Worte wie: Wir müssen auch die Serben, unsere Feinde, lieben! Ist das alles rein natürlich erklärbar? Wer sich ein wenig auskennt in den zahlreichen Bemühungen, das Phänomen Medjugorje zu ergründen, wundert sich über das - gelinde gesagt - leichtfertige Urteil der Bischofskonferenz, dass in Medjugorje keine übernatürlichen Erscheinungen stattfinden. Was ist mit der Tatsache, dass nach allen ärztlichen Gutachten die Seherinnen und Seher psychisch gesund und normal sind? Was ist mit der Tatsache, dass sich die jungen Leute nach fachwissenschaftlicher Untersuchung durch Professor Joyeux während ihrer Visionen in echter Ekstase befanden, die man nicht simulieren und künstlich herbeiführen kann? Was ist mit den vielen hundert Heilungen, die nach ärztlicher Auskunft nicht auf medizinische Kunst zurückzuführen sind? Nicht zu reden von den zahllosen Bekehrungen und geistlichen Erfahrungen, die aus ungläubigen und kirchenfernen Menschen gläubige Christen gemacht haben?

Nun wird man der Bischofskonferenz nicht Verantwortungslosigkeit unterstellen wollen? Aber wie lässt sich die mangelnde Gründlichkeit ihrer Untersuchungen verstehen? Ich selber habe dafür nur die folgende Erklärung: Offenbar hat es der Bischof von Mostar verstanden, seine persönliche Deutung des Phänomens Medjugorje der Mehrzahl seiner Kollegen so zu vermitteln, dass sie sich seiner Einschätzung angeschlossen haben oder sich eines eigenen Urteils enthielten. Das dürfte ihnen umso leichter gefallen sein, als er das Phänomen Medjugorje mit dem "Fall Herzegowina" vermischt hat, in dem die Bischöfe gegenüber den Franziskanern Partei sind. Wenn aber das Phänomen Medjugorje schon klar ist, wie Bischof in seiner Stellungnahme zu den Ereignissen von Medjugorje vom 30. Oktober 1984 und später noch einmal - trotz einer römischen Auflage, sich zurückzuhalten! - in einer Erklärung vom 9. Februar 1990 behauptet hat, was gibt es dann noch zu untersuchen? Dann braucht man auch nicht die Millionen von Pilgern zu beachten, die nach Medjugorje strömen. Dann kann man ihre Erfahrungen, Bekehrungen und Heilungen abtun mit der Bemerkung, dass es das alles auch anderswo gebe. Dann kann man den Glaubenssinn der Gläubigen außer acht lassen, den Papst Pius II. so hoch eingeschätzt hat, dass er die Definition des Dogmas von der leibhaftigen Aufnahme Marias in die himmlische Herrlichkeit erst vornahm, nachdem er alle Bischöfe der Weltkirche befragt hatte, was denn die Gläubigen ihrer Diözese darüber denken würden. Wenn das Phänomen Medjugorje hinreichend erklärt ist, kann man sich weitere Untersuchungen im Grunde ersparen. Dann kann ein Bischof, wie in der Tat geschehen, auf die entsprechende Frage eines Journalisten antworten: Was 12 Millionen Pilger glauben, interessiert mich nicht. Für mich ist entscheidend, was 20 kroatische Bischöfe sagen.

Wenn wir hier die Frage behandeln, ob Medjugorje eine Bewegung in der Kirche ist, kommen wir nicht umhin, uns noch genauer mit der Meinung des Bischofs Pavao Žanic zu befassen und auseinanderzusetzen, zumal diese Meinung von seinem Nachfolger Ratko Peric übernommen worden ist und auch von anderen kroatischen Bischöfen geteilt oder doch geduldet wird. Der Bischof von Mostar ist überzeugt, dass Medjugorje keine kirchliche Bewegung, sondern eine Bewegung gegen die Kirche ist. Dementsprechend gibt er vor, mit seinen Veröffentlichungen die Kirche vor Schaden bewahren zu wollen. In der Schlussfolgerung seiner Erklärung vom 30. Oktober 1984 schreibt er: in ihm sei "die moralische Gewissheit reif geworden, dass es sich bei den Ereignissen von Medjugorje um einen Fall von kollektiver Halluzination handelt". Diese Angelegenheit sei dann von einer Gruppe von Franziskanern geschickt ausgebeutet worden. Ihr Ziel sei es, in der Frage der Teilung der Pfarreien (der "Fall Herzegowina") Wahrheit und Recht für sich zu verbuchen und dem Bischof Unrecht zu geben.

Den Hauptschuldigen sieht er in P. Tomislav Vlašic. In seiner letzten Stellungnahme vom 9. Februar 1990 heißt es: "Vicka Ivankovic ist die 'Hauptseherin' der ersten Jahre, und über sie startete der Schöpfer Medjugorjes, Fra Tomislav Vlašic, den größten Teil der Lüge über Medjugorje." Auch Marija Pavlovic ist für ihn "nur ein Spielzeug in den Händen von Vlašic", und am Ende behauptet der Bischof: "So hat Fra Vlašic alle Seher manipuliert." Dabei hat Bischof Žanic in der ersten Zeit selber an die Erscheinungen geglaubt. Er hat öffentlich erklärt: "Die Kinder lügen nicht." In seiner Erklärung von 1984 gibt er zu, er habe für seine Person gedacht: "Wenn der skandalöse Fall 'Herzegowina'... nicht auf menschlichen Wegen hat gelöst werden können, dann hat vielleicht Gott die Madonna herabsenden wollen, um die Ungehorsamen anzutreiben, zum Gehorsam und zur Liebe der Kirche zurückzukehren." Was aber hat dann bei ihm den Umschwung bewirkt? Hier spielt der Fall der beiden Franziskaner Ivica Vego und Ivan Prusina eine bedeutsame Rolle. Die beiden Kapläne waren von Bischof Žanic wegen Ungehorsam suspendiert und auf sein Drängen hin aus dem Orden ausgeschlossen worden. In dieser Angelegenheit soll die Gospa auf Befragen gesagt haben, dass der Bischof überstürzt gehandelt habe. Die beiden seien nicht schuldig. Von da an, so scheint es, wurde der Bischof zum radikalen Gegner von Medjugorje. In der Erklärung von 1984 schreibt er: "dass die Angriffe der Madonna gegen den Bischof und die Verteidigung der Expatres von Mostar die stärksten Beweise gegen die Echtheit von Medjugorje sind." Sein Gedankengang ist demnach, um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Eine Muttergottes, die einen Bischof kritisiert, kann nicht die Muttergottes sein! Dazu zwei Anmerkungen. Aus der Kirchengeschichte kennen wir genügend Beispiele, wie Propheten hohe und höchste Amtsträger kritisiert haben. Was z. B. die heiligen prophetischen Frauen Birgitta von Schweden und Katharina von Sienna im Auftrag Gottes dem Papst Gregor XI. mitgeteilt haben, um ihn zur Rückkehr von Avignon nach Rom zu bewegen, übertrifft an Kritik und Ermahnung bei weitem alles, was Bischof Žanic zu hören bekam. Dabei ist zu beachten, dass diese Mitteilungen von den Franziskanern und den Sehern als persönliche Mitteilungen äußerst diskret behandelt und nie veröffentlicht worden sind. Das hat Bischof Žanic vielmehr selber besorgt. Wohl deshalb, weil er meinte, dies sei der stärkste Beweis gegen die Echtheit der Erscheinungen. Wie durchschlagend dieses Argument ist, mag jeder für sich beurteilen. Die zweite Anmerkung: In der Angelegenheit der beiden Patres Vego und Prusina hat Rom ein bemerkenswertes Urteil gefällt: Ihnen sei Unrecht geschehen. Sie seien ohne die Beachtung des notwendigen Verfahrens ausgeschlossen worden. Klingt das nicht fast so, wie das, was die Gospa gesagt haben soll: der Bischof habe überstürzt gehandelt?

Mit seiner Verurteilung der Medjugorjebewegung glaubt der Bischof von Mostar, die Kirche schützen zu müssen. In seinen Augen ist sie eine antikirchliche Bewegung. Er schreibt: "Die größte Gefahr steckt in der Tatsache, dass diese ganze emotionelle Aufregung um Medjugorje sich früher oder später auflösen wird wie ein Ballon oder eine Seifenblase." Und dann würde eine große Desillusionierung eintreten und die Autorität der Kirche in Misskredit geraten. - Nun, bisher ist der Medjugorjeballon nicht geplatzt. Er wird immer größer und die Medjugorjebewegung bringt geistliche Früchte in der ganzen Welt, nicht zum Schaden, sondern zum Segen für die Kirche.

Was am Anfang dieser Untersuchung mit einem Fragezeichen versehen war: Ist Medjugorje eine geistliche Bewegung in der Kirche?, können wir nun mit stichhaltigen Gründen mit einem Ausrufezeichen versehen: MEDJUGORJE IST EINE GEISTLICHE BEWEGUNG IN DER KIRCHE!

 


Damit Gott in euren Herzen leben kann, müßt ihr lieben.